Rechtsextremer Kampfsport, Biker-Kriminalität (MC) und neonazistische Vernetzungen: Die „Sportgemeinschaft Noricum“, ihr Umfeld und das gesellschaftliche Problemfeld Kampfsport.

Noricum

Seit 2018 existiert die neonazistische Gruppe „Sportgemeinschaft Noricum“ (SGN). Der keltische Stamm der Noriker, nachdem sich die Gruppe benannt hat, beherrschte in der vorchristlichen Zeit (200 v. Chr. bis ~16 v. Chr.) weite Teile des heutigen Staatsgebietes Österreich und die dort lebenden Stämme im sogenannten „Regnum Noricum“. Durch die Benennung ist schon eine erste Kategorisierung möglich. Der historische Bezug auf einen keltischen Stamm deutet auf eine nicht uninteressante Namensgebungspraxis hin: Der namentliche Verweis auf die als roh, brachial und vorzivilisatorisch wahrgenommene Zeit der germanischen und keltischen Stämme in Europa darf als typologisch für rechtsextreme Kampfsportbünde betrachtet werden (daneben ist das Narrativ bekanntermaßen auch bei deutschnationalen Burschenschaften beliebt). Die Stilisierung antrainierter professioneller Gewalt und rücksichtslosen Verhaltens gegenüber als Feind:innen wahrgenommene Individuen und Gruppen ist dabei maßgeblich für faschistische Kampfsportgruppen und deren Umfeld.

Der kollektive Haarausfall, das peinlich protzige Gehabe, die aufgepumpten Körper, die aussehen, als ob jeder noch so kleine Pieks die Luft rauslassen würde, tun jedoch das ihrige, um deutlich zu machen, welche Gesinnung die SGN nach außen und innen hin vertritt.

Ein Teil der Noricum-Kerngruppe.

Zynismus beiseite, bei Noricum handelt es sich um eine der verborgeneren männerbündisch organisierten rechtsextremen Gruppen Österreichs. Die Gruppe setzt sich hauptsächlich aus dem Hooligan-Spektrum der Wiener Clubs „SK Rapid Wien“ und „FK Austria Wien“ zusammen. Während die beiden Vereine grundsätzlich Stadtrivalen sind, vernetzten sich rechte bis rechtsextreme Hooligans unter dem Motto „Eisern Wien“ zu einer geschlossenen Gruppe neonazistischer Prägung. Erweitert wird Noricum durch Personen, die der Kampfsportszene zuzurechnen sind, sowie Personen aus dem Security- und Türsteher:innenbereich, allesamt mit starken Verzweigungen ins „Rotlichtmillieu“.
Festzustellen ist auch, dass sich die heutigen fixen Mitglieder von Noricum bereits mindestens seit 2015 einigermaßen geschlossen im Feld rechtsextremer Politik bewegen. Wie diverse Aufnahmen von Demonstrationen der „Identitären Bewegung Österreich“ (IBÖ) ab 2015 belegen, finden sich dort bereits die heute aktiven Protagonisten der Gruppe, wenn auch ohne Logo oder einheitlichem Auftritt. Haupt-Betätigungsfeld damals schon: Demonstrations- und Personenschutz.

Noricum und drei weitere Neonazis bei der Identitären Demonstration 2015.

Allgemein gilt, dass die Gruppe sowohl auf einen Öffentlichkeitsauftritt (abgesehen von Stickern und T-Shirts mit dem Noricum-Logo, sowohl für Teammitglieder als auch für externe Supporter:innen) wie auch auf einen offiziellen, geschlossenen politischen Ausdruck verzichtet. Dass wir hier jedoch nicht über einen unpolitischen Cis-Männerbund mit Kampfsportfetisch berichten, zeigt sich besonders deutlich anhand ihrer Teilnahme am „Kampf der Nibelungen“ (KdN) in Ostritz 2018. Hier reiste die Gruppe an, um mit einem eigenen Kämpfer (Roman Blaschek) am Event teilzunehmen. Die blutige Lippe Blascheks und die resiginierten Mimik lassen den Ausgang des Kampfes erahnen (siehe: Runter von der Matte).

Szeneveranstaltungen abseits der Augen der Öffentlichkeit scheinen das bevorzugte Aktionsfeld Noricums. So trifft man sich gerne im eigenen Vereinskeller im 20. Wiener Gemeindebezirk, Klosterneuburger Straße 123, 1200 Wien. Dieses dürfte von Robert Burgers (siehe unten) „STB Bau- u. Handelsgesellschaft m.b.H“ angemietet worden sein, um unnötige Querverbindungen zu einzelnen Mitgliedern von Noricum zu vermeiden.

Was aber steht hinter dem verdeckt agierenden Kampfsport-Team? Noricum passt nicht ins Bild typischer, rein politsch aktiver Neonazi-Strukturen in Österreich – weder ihr Organisationsformat noch ihre Betätigungsfelder lassen sich etwa in Übereinstimmung bringen mit den Strukturen der VAPO, des alpen-donau.info-Projekts oder aber elitärer Thinktanks à la AFP-Verein (dem ohnehin nur noch wenig bis gar keine Bedeutung zukommt, nicht zuletzt, da hochrangige Kader wie etwa Hermann Ussner – ehemals auch Mitlied der Kameradschaft Babenberg – aufgrund ihres hohen Alters wegsterben). Zugleich sind sie im Hinblick auf ihre zahlenmäßige Größe kleiner und verschworener als klassische faschistische Hooligan-Gruppierungen, auch wenn die Mitglieder Noricums durchaus diesem Spektrum originär entstammen. Lediglich 13 Personen tragen die Member-Kutten von Noricum, ein gewisses Spektrum an Supporter:innen erweitert die Kerngruppe – fast alle Supporter:innen dürften hierbei durchwegs aus der rechtsextremen Szene Wiens und Ostösterreichs stammen, wie etwa der langjährige Neonazi aus dem alten Unwiderstehlich-Umfeld (und relativ neues Support-Member) Helmut Liebenauer. Die Kutten als Uniform geben dabei bereits den entscheidenden Hinweis auf das dahinterstehende Organisationsformat, das immer mehr auch das typsich neonazistische Spektrum ummodelt: Noricum ist wie ein Outlaw-Motorradclub, kurz 1%-MC (siehe unten), strukturiert. Es gibt klare Hierarchien und Zuständigkeiten, es herrscht Kuttenzwang und man agiert nicht mehr rein politisch, um einen Systemumsturz gemäß faschistischer Ideologie zu erzwingen. Und so scheinen die MCs aber auch Noricum durchaus Bewegung in die österreichische Szene zu bringen: Seit wenigen Monaten nun tragen u. a. auch die Unsterblich-Mitglieder Kutten. Ein Trend, der sicherlich lohnt, weiter beobachtet zu werden, somal dieser in Deutschland schon hinlänglich seit den 80er-Jahren bekannt ist (wie etwa im Falle der elitären Neonazi-Verbindung „Vandalen – Ariogermansche Kampfgemeinschaft“, die schon seit ihrer Gründung 1982 in Berlin Weißensee durch Michael „Lunikoff“ Regener und Jens K. auf das MC-Format setzten).

Noricum lässt sich so eher mit jenen Strukturen vergleichen, deren Aktivitäten in Richtung organisierte Kriminalität orientiert sind: etwa der oberösterreichische Komplex „O21“ oder etwa die thüringischen „Turonen“/“Garde 20“ (das Thema wurde umfangreich beleuchtet, siehe etwa den extensiven Artikel von Konrad Litschko in der TAZ: Objekt 21 als Vorbild der Turonen oder aber den Artikel von Simon Tolvaj in der Lotta). Auch im Falle der Turonen (schon die Namensgebung vollzieht sich wie bei Noricum nach einem keltischen Stamm in der Region Thüringen/Franken im 2./1. Jahrhundert v. Chr.) und der Garde 20 findet sich eine MC-ähnlich Struktur. Hauptaktionsgebiet ist der Verkauf von Metamphetamin und Heroin, darüber hinaus werden Rechtsrock-Konzerte im großen Stil organisiert. Gewaschen wurde das illegale Geldkapital über Bordelle und teillegale Rotlichtstrukturen. Auch findet sich eine dezidierte Supporter:innen-Crew, die Gruppe „Garde 20“. Gute Kontakte hatten Gründungsfiguren der Turonen etwa auch zum oberösterreichischen O21 – auch hier ging neonazistische Aktivität einher mit organisierter Erpressung und Entführung, Drogen- wie Waffenhandel, Rotlicht-Kriminalität und neonazistischem Rechtsrock (Szenegrößen wie Philipp Tschentscher oder Jens Brucherseifer gaben häufig Konzerte im Desselbrunner Objekt). Auch im Fall Noricum lassen sich partielle Übereinstimmungen in den Aktivitäten finden: Gute Kontakte zu 1%-MCs, Verbindungen ins Rotlichtmilieu, Security- und Türsteherjobs, Baufirmen, die Kampfsportprojekte sponsern und Räume anmieten, obskure Inkasso-Unternehmen ohne möglichen Firmenbuch-Nachweis und allgegenwärtig: professioneller Kampfsport, v. a. MMA und Muay Thai. Darüber hinaus: beste Kontakte in die österreichische Neonazi-Szene sowie zu zahlreichen Gyms rechter Prägung. Dabei ist anhand von Fotomaterialien durchaus festzustellen, dass Noricum über hohes symbolisches Kapital in den diversen Mischszenen verfügt. Zum Einen dürfte das aus dem Kampfsport-Können abzuleiten sein, das – seit der Ablösung des Wehrsports durch regulären Kampfsport – hohes Ansehen in der Szene genießt; zum anderen sicherlich aus den validen freundschaftlichen Kontakten zu gewalttätigen, kriminellen Biker-Strukturen, etwa dem „United Tribuns MC“, dem „Outsider MC“ oder dem „Iron Bloods MC“.

Diese Ausrichtung spiegelt sich in den Aktivitäten wie auch der persönlichen Historie der 13 Akteure wider: Nicht alle sind genuine Neonazis seit ihrer Jugend, jedoch sind alle über unterschiedliche Weise in der obigen Aufzählug repräsentiert. Politisch gemein ist ihnen jedoch, dass alle Einzelakteure auch privat keinerlei Berührungsängste zu rechtsextremen Gruppen und Personen haben. Die folgenden Ausführungen werden detaillierten Überblick über die Gruppe selbst, aber auch deren weitläufiges Umfeld geben.

Die Mitglieder

Thomas Guzvan

Gemäß Patch auf der Kutte handelt es sich bei Thomas Guzvan um den „Chief“ der Gruppe (siehe oben). Guzvan enstpricht dem „typischen“ Bild österreichischer Neonazi-Hooligans: Originär entstammt er dem rechten Hooligan-Umfeld von Rapid und ist Teil der gemischten „Wiesn“-Gruppe (siehe unten) „Wiener Schlägerknaben“ (WSK).
Präsent war und ist Guzvan auf zahlreichen Demonstrationen der IBÖ, war Teil der Ostritz-Delegation und dürfte – wie Bilder nahelegen – als Türsteher im Rotlichtmilieu tätig gewesen sein. Privat macht Guzvan gerne den Eindruck des braven Schwiegersohns, wie auch Rac oder Blaschek (siehe unten). Zuletzt konnte eine Teilnahme Guzvans an jener IB-Demonstration dokumentiert werden, die nach dem Terroranschlag am Stephansplatz am 5. November 2020 stattfinden sollte, jedoch nach wenigen Metern von Antifaschist:innen blockiert worden war und sich auflösen musste.

André Emmanuel Rauch

Rauchs politischer Background liegt zum Einen in der organisierten Kurve von Rapid, zum anderen allerdings auch im neonazistischen Hooligan-Milieu von „Unsterblich Wien“: So war Rauch 2013 am Angriff auf das Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) beteiligt, 2016 engagierte die IBÖ Rauch und sein Umfeld für Security-Dienste rund um ihre Demonstrationen in Wien. 2017 reiste Rauch nach Berlin, um dort an einer Demonstration der IBD teilzunehmen. 2018 war er Teil der Noricum-Delegation, die am Kampf der Nibelungen in Ostritz teilnahm; im gleichen Jahr nahm er ebenso am Rechtsrock-Konzert in Themar teil. Auch wurde Rauch mehrfach auf Demonstrationen der Covid-19-Leugner:innen gesehen, zuletzt etwa am 20. Jänner 2022.

Andreas „Zwetschke“ Zepke

Zepke kommt ursprünglich ebenfalls aus der Hooligan-Szene und ist seit mittlerweile mehr als 20 Jahren in der neonazistischen Szene Wiens aktiv. Anfang der 2000er fiel er etwa als einer jener Neonazis um Christian Machowetz auf, die vor dem EKH Menschen drangsaliert haben, außerdem war er Teilnehmer am Neonazi-Aufmarsch gegen die Wehrmachtsausstellung im Jahr 2002 sowie Anwesender beim nationalen Liederabend im sog. „Stüber-Heim“ mit „Sterbehilfe“ (Isabella Kordas, B&H Wien- sowie O21-Umfeld, siehe unten) und „Lokis Horden“ (Rolf Müller, ex-B&H Wien). Das Stüber-Heim war das Parteilokal der elitär-faschistischen AFP, das aber von B&H Wien intensiv genutzt wurde: Eingeladen hatte am gleichen Abend dann auch der Mitbegründer von B&H Wien, Gregor Tschenscher.
Mit dem Aufkommen der Identitären Bewegung zeigte Zepke auch hier Präsenz, indem er u. a. mit Rauch Security-Aufgaben am Rande von deren Demos übernahm. 2015 wurde Zepke mit Felix Budin beim Plausch auf einer FPÖ Veranstaltung fotografiert: Budin entstammt dem Küssel-Umfeld, war zentraler Akteur rund um die alpen-donau.info Webpage und wurde bereits nach dem NS-Verbotsgesetz verurteilt. 2017 wurde in den Räumlichkeiten der Universität Wien eine Veranstaltung der FPÖ-Parteijugend RFJ durch Antifaschist:innen blockiert: Da die dort zu spät auftauchenden Neonazis vor verschlossener Tür standen, engagierte sich Zepke bei der Jagd auf Antifaschist:innen innerhalb der Universität zusammen mit dem Neonazi Markus Ripfl und dem IB-Faschisten Gernot Schmidt. 2018 war er Teil der Ostritzer Reisegruppe.

Phil Fegerl

Wie Rauch und Zepke ist auch Fegerl bereits vor einiger Zeit als Demo-Security bei IBÖ-Märschen in Erscheinung getreten. Seine lange rechtsextreme Gesinnung spiegelt dabei nicht nur sein Facebook-Profil wider, sondern auch seine Tätigkeit bei der rechtsextremen Security-Firma „Scorpio“, bei der u. a. auch Zepke tätig war. In diesem Rahmen konnte er auch auf diversen FPÖ-Veranstaltungen gesichtet werden. Zum Kampf der Nibelungen ist Fegerl nicht angereist, dafür begleitete er Patrick Spirk in Neusiedl am See in den Ring (siehe unten).

Roman Blaschek

Blaschek war Kämpfer von SGN am Kampf der Nibelungen 2018: Es blieb bis dato sein bislang einziges offizielles Auftreten für die Gruppe im Ring. Auch ansonsten scheint seine Kampfbilanz nicht gerade für Blaschek zu sprechen. Neben dem Ring allerdings konnte er vor kurzem in Neusiedl gesichtet werden, wo er gemeinsam mit Phil Fegerl als Ring für Patrick „Panzer“ Spirk anreiste. Ebenso konnte man Blaschek immer wieder auf Coronademos finden. Ansonsten ist Blaschek bemüht, sich als Familienvater mit seinen zwei Kindern auf Social Media zu inszenieren. Trainiert wurde Blaschek  im Gym „Wolf’s Kampfsportschmiede“ in Wien Floridsdorf – in den Räumlichkeiten dieses Gyms dürften darüber hinaus auch fast alle Noricum-Mitglieder trainieren oder trainiert haben. Das unten zu sehende Foto zeigt einen Teil der Gruppe mit dem Cheftrainer des Gyms Wolfgang Huber.

Daniel Kecskemeti

Sportlich begann Kecskemeti mit American Football beim Wiener Verein „Danube Dragons“. Eine Stadion-Hooligan-Vergangenheit ist uns an dieser Stelle nicht bekannt, jedoch dürfte er über die in der Rapid-Kurve stehenden Mitglieder von Noricum Zugang zum Rapid-Gym haben: Dort dürften neben Kecskemeti auch Wolfgang Schramm und Roman Blaschek von Zeit zu Zeit trainieren. Keckskemeti konnte auch auf einer Demonstration der Identitären 2015 als Ordner und Demoschutz gesehen werden: Auf Instagram posierend kommentiert er unter einem Foto von sich auf der IB-Demo u. a. mit „anti-antifa“. Laut eigenen Angaben arbeitet Kecskemeti für das Unternehmen „Whitemare Inkasso“ (die Existenz des Unternehmens konnten wir jedoch nicht verifizieren).
Die Noricum Kutte ist auch nicht die erste Kutte, die Kecskemeti trug. Fotos zeigen ihn in der Kutte der United Tribuns, was einmal mehr unterstreicht, wie eng der Kontakt zu dem United Tribuns MC ist.
Tätowiert wurde Kecskemeti übrigens von Patrick Zapletal (der an zumindest zwei Tanzbrigade Graffitis mitgewirkt hat) und Robert Wabro aus dem „Pain & Pleasure Tattoo Studio“ in der Liechtensteinstraße 50/1, 1090 Wien, auch dazu später mehr.

Robert Burger

Burger wiederum stellt eine weitere Facette der Noricum-Gruppe dar: Weder Hooligan noch unmittelbar politisch aktiv, ist Burger im MC-Milieu unterwegs und dürfte einen guten Draht zum rechten Kampfsportidol Henry Bannert haben. Darüber hinaus ist Burger Bauunternehmer, Fitnessfanatiker, Motorradaficionado und Kraftsportler mit guten Kontakten zu den Wiener 1%-MCs, besonders aber zu Einzelpersonen des Hells Angels Vienna Charters. Burger besitzt die Baufirma STB Bau- u. Handelsgesellschaft m.b.H. mit Sitz in Putzing am See 36, in 2203 Groß-Ebersdorf, an der auch Franz Schlederer, Brigitte Milka und Alfred Wenisch Anteile halten.
Die Baufirma Burgers tritt als Sponsor von mehreren Kampfsportlern auf, u. a. von Patrick „Panzer“ Spirk, einem Wiener Kampfsportler aus dem rechtsextremen Umfeld von Noricum (siehe unten).

Franz Schlederer

Schlederer kommt aus dem Wrestling Bereich („Prater Catchen“, wo er bis heute auftritt), Anfänge datieren ins Jahr 1982. Schlederer war Amateurringer, österreichischer Juniorenmeister, zwei oder drei Jahre im Nationalteam engagiert und errang mehrere internationale Turniersiege. Schlederer trägt als Wrestler den Beinamen „Der Söldner“. Die Geschichte hinter diesem Beinamen lässt tief blicken: „Als junger Mann wollte ich nach einer Jagdkommando Ausbildung beim Heer einige Zeit aus Liebeskummer nach ‚Rhodesien‘ (Simbabwe) als Söldner. Ich hatte schon für die belgische Meldestelle alles beisammen, um bei der FNLA [Anm. d. Verf.: „Frente Nacional de Libertação de Angola“] zu kämpfen, aber da war noch einige Zeit bis zum Abtritt dazwischen und sich was anderes ergeben“, tut Schlederer in einem Interview mit einem Wrestling-Szenemagazin kund.[1] Die Anwerbung von Rechtsextremen als Söldner etwa im Jugoslawien-Krieg, im Süden Afrikas oder Französisch Guyana stellte eine durchwegs gängige Betätigung für europäische Neonazis dar und Schlederers Interesse an paramilitärischem Engagement expliziert wohl seine Geisteshaltung als junger Erwachsener: Wenige Jahre später reisten Anfang der 90er-Jahre einige Personen (u. a. die VAPO-Kameraden Peter Preisl, Alexander Wolfert und Reinhard Rade; Hans-Jörg Schimanek jun. hatte vorab bereits versucht, in Französisch Guyana Kampferfahrung zu sammeln, was mit seiner Verhaftung und Abschiebung endete) aus dem neonazistischen Milieu der VAPO nach Kroatien, um für die faschistische „Hrvatske obrambene snage“ (HOS) zu kämpfen – Ziel: Verteidigung der Weißen Rasse. Die HOS wurde von Dobroslav Paraga geführt und galt als paramilitärischer Arm der an die Ustascha-Ideologie anknüpfenden „Hrvatska stranka prava“ (HSP). Neben dem Sammeln von Kampferfahrung, der politischen Motivation, war jedoch auch die massive persönliche Bereicherung ein Grund für solche Einsätze: So etwa konnte der aus Innsbruck stammende Neonazi Reinhard Rade durch Plünderung so viel Geldkapital erwirtschaften, dass er nachher ins Immobiliengeschäft in Ostdeutschland, v. a. im Raum Leipzig, einsteigen konnte. Der Profit floss dann wieder in die Organisierung der neonazistischen Szene zurück. Und auch aktuell ist die Ausreise von Rechtsextremist:innen in Kriegsgebiete wieder Thema: Dutzende Neonazis kündigten an, das „Weiße Europa“ gegen den russischen Angriffskrieg verteidigen zu wollen – hier ist dann die andere Seite zu sehen, die wohl auf Schlederer zutrifft: Zumeist handelte es sich bei den online kundgetanen Ausreiseplänen um protziges Maulheldentum, das nie Realität geworden war – was die besorgniserregende Tendenz der Militarisierung von neonazistischen Gruppen allerdings nicht schmälert. Zurück zu Schlederer: Neben seiner Wrestling-Karriere arbeitete er auch als Security: Er selbst gibt an, für Roger Moore und Jean-Claude Van Damme gearbeitet zu haben. Aber auch Kontakte zu einigen österreichische B-Promis und Politiker:innen scheinen vorhanden zu sein (u.a. Christina „Mausi“ Lugner, Jörg Haider Intimus Stefan Petzner und Janine Schiller). Als zusätzliche Finanzquelle kann Schlederer auf seine 25% Beteiligung an Robert Burgers Baufirma zurückgreifen.

Patrick Rac

Rac scheint etwas aus der Reihe zu tanzen – zu Rac ist uns keine Stadionvergangenheit bekannt, ebenso konnten keine Verbindungen zu IBÖ oder Security-Diensten rechter Bewegungen festgestellt werden. Seine Vernetzungen gehen – so scheint es – in Richtung organisierter Türsteher-Kriminalität.
Rac hat sich in eine „Unternehmerfamilie“ eingeheiratet. Seine Frau Martina Rac (geborene Virt) betreibt zwei Kosmetiksalons.

• Adelheid-Popp-Gasse 5/4/4, 1220 Wien
• Porzellangasse 52/5, 1090 Wien

Martina Virt ist die Tochter von Franz Virt, dem Betreiber des Ladens „Comics Virt“ in der Löwengasse 19, 1030 Wien. Offiziell ist es übrigens die Mutter von Martina Virt, Annemarie, die den Laden betreibt.
Relevanz haben sowohl Martina als auch Franz Virt. Franz Virt ist Teil des „Klub der alten Säcke“ (KdaS), einem Motorradclub für Pensionist:innen ohne Kuttenzwang. Eben diese Motorradtruppe organisiert regelmäßig gemeinsame Abende mit SGN im Noricum-Vereinskeller.
Martina Rac kann dahingehend vor allem im Umfeld des Noricum-Kellers gesehen werden: Dort ist sie freundschaftlich mit diversen Mitgliedern rechtsextremer MCs verbunden, arbeitet hinter der Bar und ist auf dutzenden Fotos neben den Kadern von Noricum zu sehen.
Der Bereich, der wohl die meisten Fragen aufwirft, sind Racs Geschäfte: Er selbst bewirbt auf Facebook die „Karibik Bar“ in der Hormayrgasse 49, 1170 Wien. Diese wird von Manfred Klingler (Komplementär), sowie Manuela Knezevic (Kommanditistin) betrieben und ist in diversen Rotlicht-Foren gelistet. Überprüft man die Social Media Profile der Betreiber:innen, findet man weitere Noricum-Mitglieder (in Summe wirken die Profile nicht sonderlich gut gepflegt und aktuell). Sowohl Thomas Guzvan als auch Rac dürften zumindest Sicherheitsdienste für das Bordell geleistet haben. Des Weiteren dürfte Rac eine obskure Handwerksfirma betreiben, „Rac Handwerkswelt“, die laut Eigenaussage hauptsächlich Fliesen und Naturstein verlegt – allerdings findet sich keinerlei juristische Evidenz, dass diese Firma tatsächlich existiert.

Ralf Kracher

Zu Kracher gibt es kein Belegmaterial für direkt rechtsextreme Aktivität auf der Straße. Kracher ist Kampfsportler (Muay Thai) und von Beruf Tätowierer in der Ink Society 26 außerhalb von Wien in der Friedrich-Kheck-Straße 57, 2540 Bad Vöslau (er selbst ist ebenfalls mannigfaltig tätowiert, darunter zahlreiche Runen und Neonazi-Symboliken). An selbiger Adresse ist auch der Kosmetiksalon seiner Frau, Tamara Kracher, gemeldet.
Aus Fußball-Perspektive ist auch Kracher Rapid Wien zuzuordnen. Abseits des Stadions verfügt er über Kontakte zu den Hells Angels. Darüberhinaus belegen Bilder sein Tolerieren von NS-Verharmlosungen im Kontext der Corona-Leugner:innen-Szene in seinen Facebook-Kommentaren.

Wolfgang Schramm

Schramm stellt – trotz Präsenz in Ostritz und auf diversen IBÖ-Demos – einen der unauffälligeren Typen dieser Gruppe dar. Zu Schramm ist wenig bekannt, ebenso wurde er in letzter Zeit kaum öffentlich gesehen: Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und so konnte er auch auf einer Demo der Corona-Leugner:innen gesehen werden. Darüber hinaus steht er in der Kurve von Rapid und dürfte auch im vereinseigenen Gym trainieren.

Alexander Aradi

Aradi entstammt der rechtsextremen Kampfsportszene. Seine Verbindungen sind jedoch divers. So findet man Aradi auch im Umfeld von Motorradclubs der Outsiders und Iron Bloods, ebenso wie im rechtsextremen Hooligan-Umfeld unterschiedlicher Klubs, primär aber der Wiener Austria. Sein Kampfsport-Training absolvierte er im mittlerweile geschlossenen „Warrior MMA Gym“ in der Jedleseer Straße 66-94, in Wien Floridsdorf (1210). Hier trainierten u. a. auch der rechtsextreme Rapid-Hooligan Christian Lhotan und der Profi-MMA-Kämpfer Patrick Spirk. Das Studio wird von Dorian Pridal betrieben. Pridals politische Herkunft ist unklar, zeugt aber von hohem Gewaltpotenzial. Während wir in Erfahrung bringen konnten, dass er keine geschlossene rechtsextreme Gesinnung zur Schau tragen soll, führte sein Gewaltpotential bereits zu einer unbedingten Haftstrafe. Er soll zu den besten Kämpfern der lokalen Szene gehören, auch wenn sein Fokus weniger auf Kampfveranstaltungen liegt (Näheres siehe weiter untern). Unseren Informationen nach geht es im Warrior Gym primär darum, sich für Streetfighting fit zu machen, bizarrer Fokus laut Infos: wie Menschen auf der Straße „bare knuckle“ in möglichst geringer Zeit niedergeschlagen werden, sodass diese nicht mehr kampffähig sind.
Gemeinsam mit den anderen Noricum-Mitgliedern konnte auch er auf den Coronademos ausfindig gemacht werden. Auch ist Aradi öfters im Lokal „Zum Bierbaron“ (einem rechten Szenetreff in einem ansonsten Hipster-Linken-Bezirk Wiens) in der Kandlgasse 5, 1070 Wien zu Besuch und dürfte gute Kontakte zum Betreiber Daniel Nowacek pflegen.

Alex „Haa“ und Christopher Fischer

Mit Alex „Haa“ (amtlicher Name zu diesem Zeitpunkt unbekannt) und Christopher Fischer finden sich zwei weitere Personen, der eine mehr, der  andere weniger weit im Umfeld der Noricum Gruppe. Zu Alex „Haa“ konnten wir nur die Teilnahme in Ostritz und ein Facebook-Profil recherchieren. Das Profil des Dauerurlaubers verrät Hütteldorf als Heimatwohnort. Das Profil von Christopher Fischer ist mittlerweile gelöscht.
Auch wenn wir hier keine verwertbaren Informationen bereitstellen können, wollten wir die beiden der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt lassen.

Das Umfeld

Wie wir bereits einleitend erwähnt haben, sind es die Szeneveranstaltungen im vermeintlich geschützten Kreis, denen die Noricum-Mitglieder am liebsten nachgehen. Grund genug, dass wir uns ihr Umfeld genauer ansehen. Beginnen wir mit drei besonders prominenten Figuren der österreichischen Neonaziszene.

a) Thomas Kalcher-Cibulka war Burschenschafter bei der pennalen Burschenschaft Franko-Cherusker, schloss sich als junger Erwachsener dem alpen-donau.info-Umfeld rund um Gottfried Küssel an und arbeitete als Security beim BVT-U-Ausschuss, was für großes mediales Aufhorchen sorgte. Kolleg:innen haben dazu, wie auch an anderen Stellen dieses Artikels, bereits zahlreiche Hintergrundinformationen gesammelt, auf die wir an dieser Stelle zurückgreifen.

b) Paul Blang war wie auch Cibulka bei alpen-donau.info aktiv. Er bewegte sich im engen Umfeld von Gottfried Küssel und tauchte nach der zweiten Haftperiode von Küssel immer wieder in unterschiedlichen neonazistischen Räumen auf; gemeinsam war er auch mit Kalcher-Cibulka und weiteren Neonazis aus dem alpen-donau-Umfeld zum Kampf der Nibelungen angereist. Zurzeit können sowohl Kalcher-Cibulka als auch Blang gemeinsam mit dem Unsterblich-Capo Christian „Guntramsdorfer“ Wagner im Hooligan-Block der „Viola Fanatics“ gesehen werden, so u. a. auf Auswärtsfahrt zum befreundeten Szeneverband der „Ultras Slovan Pressburg“.

c) Bernhard Burian: Burian ist einer Mischszene von Identitären, Hooligans sowohl aus den rechtsextremen Milieus von Rapid, aber auch dem ehemaligen Flagrantia-Milieu (Austria), der neonazistischen Tanzbrigade sowie dem alpen-donau-Umfeld angehörig. Ebenso gut befreundet mit elitären Burschenschaftern wie Florian Köhl (jetzt AfD) als auch der neonazistischen Hooligan-Gruppe rund um Michael Giebner (dieser gründete mit dem Neonazi Alexander Niessner den Fanclub Flagrantia Wien, der von der Austria nicht zugelassen worden war und seit einiger Zeit auch inoffiziell aufgelöst ist), ist Burian als äußerst umtriebig in der nationalistischen Szene einzuschätzen. Genauere und rezentere Verstrickungen aller drei Akteure findet ihr in unserem vorherigen Beitrag zur Hooligan-Szene.

Burian, Blang und Kalcher-Cibulka bei der Noricum Jahresfeier am 1.2.2020.

Ebenfalls Stammgäste im Noricum Keller sind die Mitglieder des „Klub der alten Säcke“ (KdaS). Dabei handelt es sich um einen Pensionist:innen-MC, in dem auch Franz Virt, der Schwiegervater von Patrick Rac, aktiv ist. Der KdaS hält seine Gruppenabende normalerweise Mittwochs ab 18:00 im „Gasthaus zur Alm“ ab (im Laufe der Recherchen wechselte der KdaS ins „Gasthaus Mehler“, Handelskai 338, 1020 Wien). „Die Alm“ ist eines der äußerst einschlägig bekannten Lokale Wiens. Bis Mai 2020 war Andre Herold als Betreiber ausgeschrieben: Herold kommt aus dem Wiener Blood & Honour Umfeld, hat gute Kontakte zu den Verurteilten im Fall „Objekt 21“ und veranstaltete 2009 ein Soli-Konzert für den Neonazi und verurteilten Mörder Jürgen Kasamas (Kasamas war Kampfsportler und prügelte eines Tages einen Obdachlosen zu Tode). Ebenso veranstaltete die IBÖ ihre ersten Parties und Veranstaltungen in den Räumlichkeiten der Alm. Der KdaS listet Herold mittlerweile auf seiner Homepage als Mitglied des Clubs. Geht ein Klubabend in der Alm irgendwann zu Ende, ziehen die Pensionist:innen gerne weiter in den nicht weit weg gelegenen Noricum-Keller, um den Abend dort ausklingen zu lassen. Oder aber sie kommen direkt zum Noricum-Sommerfest, dem Noricum „Charity-Punsch“ oder gar der Jahresfeier: Dort etwa überreichte der Road-Captain des KdaS, Karl Wolf, u. a. ein Geschenkbild an Zepke und erhielt als Gegenleistung ein Supporter-Shirt von Norium.

Veranstaltungen wie das Sommerfest bzw. der Charity-Punsch stellen einen allgemeinen Anziehungspunkt für diverse Akteur:innen der rechten Szene dar. Die MC-Freundschaften reichen nämlich weit über den KdaS hinaus. So finden sich immer wieder Mitglieder des Iron Bloods MC, des Outsider MC und vor allem des United Tribuns MC im Noricum-Keller ein, bspw. zum „Charity-Punsch“ am 21. Dezember 2019. Die Iron Bloods und Outsiders weisen beide eine lange Geschichte im Bereich organisierten Rechtsextremismus auf: So sind u. a. die Outsiders zu größerer Bekanntheit gelangt, als in ihrem Vorarlberger Clubheim ein 20-jähriger Neonazi von B&H Vorarlberg erstochen wurde, was zu langen, teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen B&H und dem Outsider MC im Westen Österreichs geführt hatte.

Interessant ist auch die Verbindung zum „Red Dogs MC Vienna“. Einerseits finden sich auch hier Freundschaften zwischen den Noricum-Mitgliedern und den MC-Members, andererseits gibt es – wie im Falle der Beziehung zu den Tribuns – eine gewisse Art finanzieller Kooperation. Der MC-Präsident Jakob Berger betreibt das Mode-Label „Radaubruder Streetwear“ in der Utendorfgasse 4/4, 1140 Wien. Dieses ist als non-profit-Unternehmen gelistet und „diene [laut Berger] dazu, gewisse Personen, die in ihrer Sparte gut sind, allerdings nicht die finanziellen Mittel haben, zu unterstützen und auf die nächste Ebene zu bringen.“[2] Wer und was damit u. a. unterstützt wird, findet sich im nächsten Abschnitt dieses Artikels. Vorweg, wie bei Motorradclubs üblich, finden sich auch hier die klassischen Taktiken, um mit Hilfe von vermeintlichen Charity-Aktionen Anklang in der Öffentlichkeit zu finden. In diesem Fall wurde am 13.12.2019 ein Betrag von 1.312 € (ein Akronym für „ACAB“: „All Cops Are Bastards“) übergeben – die Süffisanz entblößt die Spende und zeigt ihren wahren Zweck: Angeberei und martialische Selbstinszenierung.

Der Noricum-Kraftsportler Robert Burger konnte zusammen mit Henry Bannert darüber hinaus bei der Eröffnung des „Other Place Vienna“ im September 2021 gesehen werden. Dabei handelt es sich um einen szeninternen Biker-Treff in der Steinbauergasse 34, 1120 Wien Meidling. Dort posierten beide mit einem Mitglied des Vienna Charters des Hells Angels MC – bei der Eröffnung konnten aber grundsätzlich die Kutten von beinahe allen namhaften und in Wien tätigen MCs, die freundschaftlich mit den Hells Angels verbunden sind, identifiziert werden.

Hells Angels-Members unterschiedlicher Charter vor dem Other Place.

Im Zuge der Analyse der Noricum-Verbindungen wollen wir hier besonders auf die vielschichtige Verbindung zu den United Tribuns hinweisen. Dabei geht es uns nicht primär um die Machenschaften des MCs, da dieser für unsere Zwecke nur bedingte Relevanz hat. Klar ist – das wollen wir hier schon erwähnen – dass es sich bei sämtlichen Tribuns-Strukturen (wie ja auch bei den Hells Angels, Iron Bloods und Outsiders) um 1%-Gruppen handelt, sprich: Solche MC-Gruppen definieren sich als „Outlaws“.  Die englische Bezeichnung auch deshalb, weil die 1%-MC-Idee im Süden der USA (Texas & Kalifornien) Ende der 1940er-Jahre erstmals aufkam. Auch wenn die ideologische und soziale Geschichte der MCs äußerst interessant ist, ist hier nicht der Ort, diese analytisch aufzuschlüsseln – Fakt ist: der United Tribuns MC ist einer der größten 1%-MCs in Europa und war 2004 in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) von den Brüdern Armin „Boki“ und Nermin Ćulum gegründet worden. Beide waren Kampfsportler, Armin Ćulum professionell und erfolgreich (englisches Boxen, Schwergewichtsklasse); beide hatten darüber hinaus gute Kontakte ins Security- und Türsteher:innen-Milieu. Systematisch organisiert wurden diese Kontakte dann in Form des United Tribuns MC. Der MC war ideologisch klassisch im Stil der 1%-er aufgeladen: Brüderliche Cis-Männlichkeit bis in den Tod, Omertá nach außen, gemeinsame „Freiheit“ ausleben jenseits von Gesetz und Recht usw. – es lohnt nicht, hier weiter zu analysieren, zu banal und simpel ist die rigoros gefährliche, patriarchale Männlichkeit, die sich da entäußert. Praktisch daran anschließend waren die Betätigungsfelder der UT: Was mit Bordell-Security, Rotlicht-Milieu und Türsteherei begann, wurde rasch und sukzessive durch die guten Verbindungen nach Bosnien erweitert. Im großen Stil wurden bald junge Frauen und Mädchen aus Bosnien nach Deutschland und Österreich verschleppt, wo sie in den hauseigenen Bordellen der Ćulum-Brüder als Zwangsprostituierte arbeiten mussten. Wie ein Bericht einer ehemals von den UT verschleppten Frau, die ins deutsche Zeug:innenschutzprogramm aufgenommen worden war, zeigte (Ulrike Baur drehte daraus für den SWR eine Dokumentation), standen massive Gewalt, psychischer Terror und permanente Drohung an der Tagesordnung, um die Frauen gefügig zu machen. Wer nicht „spurte“, wurde in abgelegenen Wäldern lebensgefährdend verprügelt und mit  Mord bedroht. Und natürlich: Die Frauen erhielten von ihrem erarbeiteten Geldkapital keinen Cent; von den 3.000-5.000€, die teilweise in nur einem Tage von einer Frau (!) erworben worden war, sahen sie Nichts.

Doch nicht nur Zwangsprostitution und Menschenhandel stellen Betätigungsfelder der UT dar: Auch das lukrative Türsteher:innen-Milieu wurde für sie im Organisationsprozess auf europäischer Ebene relevant. Da die UT über ihre Aufnahmeregeln lediglich Kampf- und Kraftsportler aufnehmen, eignet sich Türsteherei ideal für Mitglieder der UT, da die Gewaltsozialisation direkt auf umsetzbares Können im Sport trifft. Lukrativ ist es deswegen, weil – wie etwa ein Spezialist des LKA Stuttgart betont – die, die die Tür „machen“, auch den Drogenverkauf im Klub kontrollieren. Das bestätigen internationale Berichte zu Ermittlungen europäischer Kriminalämter: Stets fällt der Vorwurf international organisierten Drogenhandels. Erst kürzlich wurde das Palma de Mallorca-Chapter der UT durch spanische Behörden zerschlagen, Grund: organisierter Drogenhandel, gefordert werden insgesamt 31 Jahre Haft in 1.000 Seiten Anklage.[3] Der Vorstand des Palma-Chapters kann dabei als mustergültiges Exempel für den Typ Mensch genommen werden, der von den UT rekrutiert wird: Stefan Milojevic, der Leader des MC, war ein serbischer MMA-Fighter, stand selbst des Öfteren im Ring, auf seinem Arm prangt der serbische Doppeladler samt Tetragrammkreuz, daneben weitere religiöse Symbole. Wie wir weiter unten sehen werden, trifft dieser nationalistische biografische Einschlag auch exakt auf den President des Wiener UT Chapters zu wie auch für viele weitere. Das lässt sich auch durch eine kurze Europol-Aussendung belegen, die konstatiert, dass die UT besonders nationalistische und rechtsextreme Akteure ansprechen wollen und gezielt versuchen Verbindungen zu solchen Gruppen zu etablieren – dafür würde auch einiges an finanzieller Unterstützung ausgegeben.[4]

Wird entlang der Linie des Drogenhandels rechechiert, kommen – trotz nur lose vorhandener, rar werdender Quellen – schnell weit verzweigte, international organisierte Mafiastrukturen als Drahtzieher und erstinstanzlicher Beschaffer der Schmuggelware zum Vorschein: Der bosnische Investigativjournalist Avdo Avdić konnte ermitteln (er bekam postwendend eine akute Morddrohung, die sogar das OSZE zu einer Ermahnung der bosnischen Regierung veranlasste, sie müssten die Sicherheit von Journalist:innen gewährleisten)[5], dass die Ćulum-Brüder beste Kontakte zum bosnischen von Edin Gačanin und seiner Familie geführten „Tito i Dino“-Kartell pflegen.[6] Das Tito i Dino-Kartell organisiert zusammen mit Größen des Amato-Pagano-Clans (Teil der Camorra), niederländischen Kartell-Strukturen („Taghi-Organisation“, einer der mächtigsten Gruppen der „Mocro-Mafia“) und dem irischen Kinahan-Clan den Kokainimport aus Kolumbien via Antwerpen und Rotterdam sowie die daran anschließende Verteilung in Europa (wo dann die UT ins Spiel kommen).[7] So etwa waren beide Ćulum-Brüder mit gefälchten Pässen zusammen mit den Vertretern des bosnischen Kartells Elvis Hodžić und Naser Orić[8] auf Anordnung von Gačanin nach Peru gereist, um über Kokain-Lieferungen mit ehemaligen Mitgliedern des kolumbianischen „Norte del Valle“-Großkartells zu sprechen (löste sich zwischen 2008 und 2010 auf). Geschätzt wird, dass die gesamte Struktur die größten Anteile des in Europa verfügbaren Kokains importiert.[9]

Warum ist das relevant? Weil die UT rigoros vertikal hierarchisch organisiert sind, also: Die World-Presidents geben die Praxis vor, die von den einzelnen Chaptern umgesetzt werden muss, dass daneben noch dutzende legale Geschäftspraxen betrieben werden, ist nur logisch, da dadurch natürlich die illegalen kaschiert werden. Und es muss beinahe nicht mehr erwähnt werden, wie viel umfangreiche Möglichkeiten solche Strukturen Rechtsextremist:innen bieten: Neben den praktischen Verdienstmöglichkeiten in den oben genannten Bereichen, ist der Zugang zu Geldkapital unbegrenzt, darüber hinaus zu Kriegsmaterial, Waffen, Munition oder aber Flucht- und Untertauch-Routen. Und wie wir im Falle des Wiener Chapters zeigen können, sind die Verbindungen zur rechtsextremen Szene zumindest hier dutzendfach gegeben.

Tribuns auf Ausfahrt in Wien, Linke Wienzeile. Zu Gast Nermin Ćulum.

Die Verbindungen der UT Wien zu Wiener Rechtsextremen

Fotos aus dem Keller von Noricum belegen enge Freundschaften und Kontakte der Tribuns zur Noricum-Gruppen – die Gründe dafür liegen auf der Hand. Besonders Daniel Kecskemeti ist regelmäßig mit unterschiedlichen Mitgliedern der Tribuns zu sehen, auch der Wrestling-Kollege von Franz Schlederer Geri Renger ist im engen Umfeld der Tribuns organisiert. Burger ist grundsätzlich im Wiener MC-Milieu unterwegs, auch zu den UT bestehen beste Kontakte. Auch Ralf Kracher ist freundschaftlich mit Members der United Tribuns auf Fotos zu identifizieren, für Guzvan und Zepke gilt selbiges. Grundsätzlich also kann getrost gesagt werden: Noricum kann – das beweist das umfangreiche Fotomaterial – als freundschaftlich mit den UT verbunden betrachtet werden, was bedeutet, dass hier Kooperation in unterschiedlicher Hinsicht besteht.

v.l.n.r. Daniel Kecskemeti, Selim Gemah, Phil Fegerl, Thomas Guzvan.

Eine nicht unerhebliche Vermittlunsgrolle dürfte der bereits oben erwähnte Henry Bannert spielen. Bannert ist zwar kein Mitglied der United Tribuns oder von Noricum, aber seit langer Zeit (gemeinsam mit Robert Burger) im Spektrum rechter 1%er anzutreffen. Ursprünglich bekannt ist Bannert für seine Mitgliedschaft beim neonazistischen Hooligan-Verbund „Eisern Wien“ (ursprünglich  in der Rapid-Kurve aktiv); in diesem Rahmen wurde er auch wegen Körperverletzungsdelikten angeklagt und verurteilt, mindestens einmal musste Bannert auch eine Haftstrafe antreten. Dabei gilt Bannert in der Wiener rechtsextremen Hooligan-Szene durchaus als Idol aufgrund seiner „Kampfbereitschaft“, aber auch aufgrund seiner Erfolge im professionellen Muay Thai auf internationalem Niveau. Darüber hinaus betreibt er das Fox Gym in der Markomannenstraße 18/5-6, 1220 Wien, das ebenso szeneübergreifend wertgeschätzt wird. Eine Freundschaft Bannerts zu Noricum (v. a. zu Robert Burger) ist durch zahlreiche Feiern und gemeinsame Besuche von Lokalitäten in und um Wien belegbar. Darüber hinaus sponsert Burgers STB Bau- u. Handelsgesellschaft m.b.H, die auch den Noricum-Keller finanziert, Bannerts Gym seit Anfang an. Bannerts großes symbolisches Kapital in der Kampfsport-Szene ermöglicht ihm allerdings auch in das Umfeld der höchsten Etagen der United Tribuns einzutauchen. Die Tribuns organisieren regelmäßig die „Vendetta Fight Night“ u. a. in Wien. Bannert steht im Zuge der Fight Nights des Öfteren selbst im Ring und hat dabei zumeist seine Eisern Wien- und Noricum-Kameraden im Schlepptau. Bannert ist allerdings nicht der einzige Wiener-Kämpfer mit rechtsextremen Background. So prangt u. a. auf dem Ellbogen von Klaus Eckstein eine Schwarze Sonne. Der Noricum Kämpfer Patrick „Panzer“ Spirk beispielsweise stand am 04. September 2021 im Vendetta Ring und wurde von Phil Fegerl und Roman Blaschek begleitet.

Schirmherr der Fight Nights ist Bülent Saglam, der President der UT Wien-Chapter (mit Clubhaus in der Alxingergasse 21, 1100 Wien), aber auch der President der United Tribuns Österreich. Die Wiener Fight-Nights finden stets in der Eventlocation „Hallmann Dome“ des Investors Klemens Hallmann statt, promoted durch das „Iron Fist Gym“. Saglam gibt sich bewusst als seriöser Geschäftsmann, betreibt Charity-Kampagnen und offizielle Geschäfte, so u. a. eben das Iron Fist Gym in der Wiener Schönbrunnerstraße 186, 1120. Saglam selbst weist eine hohe Affinität für das turanistische Weltbild der „Grauen Wölfe“ auf: So trägt Saglam u. a. Runentattoos, die auch von Kadern der Grauen Wölfe getragen werden, teilt nationalistischen Content online, posiert mit türkischen Faschisten im Ring. Mehrfach war zu beobachten, dass große Gruppen Kämpfer wie Erhan Kartal in den Shirts der United Tribuns mit Wolfsgruß ins Oktagon der Vendetta begleiteten, Saglam entweder direkt dabei oder direkt daneben. Darüber hinaus trainiert mit Yürük Bilal (ein Supporter von Kartal) mindestens ein Exponent, der dem Wiener Milieu der Grauen Wölfe zuzuordnen ist, im Iron Fist Gym: Fokus liegt auf Kinder- und Jugendtrainings, alle Kurse scheinen gemäß Fotos sehr gut besucht. Und so wundert es denn auch nicht, wenn schon unter-zehnjährige Kinder auf Fotos im Gym mit Wolfsgruß posieren. Dass das mit großer Besorgnis zu sehen ist, liegt auf der Hand, denn: So werden bereits jüngste Kinder mit ideologisch geladener Gewalt umfassend sozialisiert (was im Rahmen der Aktivitäten der Grauen Wölfe eine gewichtige Funktion erfüllt, wie u. a. in Favoriten zu sehen war). Darüber hinaus dürfte Saglam gute Kontakte (welcher Art bleibt unklar) nach Istanbul pflegen: Auch dort findet regelmäßig eine Vendetta Fight Night statt – ein Tribuns-Chapter dürfte es dort allerdings nicht geben.

Wolfsgrüße beim Einzug von Erhan Kartal bei der Vendetta XI.

Schaut man sich die Reihen der UT Österreich an, dann fallen nicht wenige Members auf, die über beste Kontakte zu genuinen Rechtsextremist:innen pflegen: Mit Alexander Niessner findet sich ein aus dem Austria-Milieu stammender Neonazi (Fotos mit Anti-Antifa-Shirt und dem bekannten Rechtsextremen Bernhard Kirsch aus dem „Fanatics“- und „Ballermann-Jungs“-Umfeld) unter den United Tribuns. Niessner arbeitet für eine der hauseigenen Sicherheitsfirmen, die „Ares-Safety-GmbH“. Geschäftsführer der Ares-Safety-GmbH war das UT-Mitglied Matthias Prinner, der im Sommer 2020 plötzlich verstorben ist. Die Einsatzgebiete der Ares-Safety-GmbH sind nicht uninteressant: U. a. werden die weithin bekannten Clubs „Pratersauna“,“Club X“ und „VIE i PEE“ von der „Ares-Safety-GmbH“ an der Tür betreut. Wie Recherchen belegen konnten, sind es die dort engagierten Türsteher der Ares GmbH, die die Drogengeschäfte in den Clubs abgewickelt und kontrolliert haben (siehe oben auch das Statement des LKA Stuttgart). Eigentümer der Clubs ist im übrigen Sebastian Kurz’ Intimus Martin Ho, der wiederum bekannt ist für seine privaten Kokain-Parties in den eigenen Lokalitäten. Anzumerken ist aber: Die Tribuns betreuen nicht nur Läden von Ho. So etwa dürfte über den Mittelsmann Denis R. u. a. auch die „Event Arena Vösendorf“ den United Tribuns zugeeignet worden sein. Dort ist mittlerweile der von Daniel V. betriebene „Club Exil“ ansässig – die Tür wird natürlich von Tribuns organisiert.

Allerdings firmiert die Security Branche der Tribuns nicht mehr unter dem Namen „Ares-Safety-GmbH“: Denn diese meldete schon am 21.12.2020 Konkurs an. Welche neue rechtliche Struktur nun geschaffen worden ist, um die Türsteher-Branche auch legal zu ummanteln, ist bis dato unklar.

Darüber hinaus sind zahlreiche Members der UT (vor allem im Wiener- und Pannonia-Chapter) eng mit der rechtsextremen Szene verbunden. Das dürfte vor allem daran liegen, das zahlreiche Exponenten der Wiener Neonazi-Szene auch mehr oder minder intensiv wie professionell Kampfsport betreiben – egal ob die Tättowierer des „Pain and Pleasure“-Studios, rechtsextreme Hooligans, scheinbar unpolitisch Firmeninhaber:innen oder B&H nahestehende Einzelpersonen: Das verbindende Element ist Kampfsport, das ebenso sämtliche Tribuns mit der Szene zusammenschweißt (im Gegensatz zu anderen 1%-MCs in Wien). Exemplarisch wollen wir hier zwei Personen anführen: Der Wiener Tribun Jürgen „Steini“ Steinacher und der President des Pannonia-Chapters Christian „Chris Black“ Trummer. Steinacher ist aus den Umfeldern rechtsextremer Wiener Hooligan-Gruppen bekannt, Christian Trummer weist eine lange Geschichte als Rechtsextremist auf: So hat er bereits als junger Neonazi als privater Security für Jörg Haider gearbeitet. Mittlerweile hat Trummer mit der „SES Special Event Security GmbH“, mit Sitz am Hirschfeldspitz 46 in Neusiedl am See, sein eigenes Security-Unternehmen und zusätzlich noch die Gewerbeberechtigung für den Einzelhandel mit Automobilen.

Patrick Spirk – ein Beispiel rechtsextremer Organisierung im Kampfsport

Kommen wir noch einmal zurück auf Patrick „Panzer“ Spirk. Anhand von ihm wollen wir skizzieren, wie rechtsextremer Kampfsport versucht, in der Öffentlichkeit Fuß zu fassen und wie viel umfassende, gut strukturierte Organisationsarbeit dahinter steht.

Spirk war Trainer beim Raw Force Club, trainierte im Warrior MMA Gym von Dorian Pridal, wo er u. a. Kontakt zu Alexander Aradi, Christian Lhotan und Robert „Bertl“ Wabro hatte. Wabro ist der Chef des „Pain & Pleasure Tattoo Studios“, in dem auch Patrick Zapletal arbeitet, der auf zumindest einer Covid-Demo anzutreffen war. Mittlerweile bietet Spirk unter dem Namen „Team Panzer“ Kurse in Etti’s Gym in der Himbergerstraße 2, 1100 Wien, an und stellte in einer Grafik seine Sponsoren vor: Neben dem Team-Logo zu sehen sind: Noricum und die dazugehörige STB Bau- u. Handelsgesellschaft m.b.H; Tanzbrigade Wien; Radaubruder Streetwear; Dachservice Haimer und das Pain & Pleasure Studio.

Die Tanzbrigade Wien ist eine „Eisern Wien“-nahe Gruppierung, die die soziokulturelle Kehrseite von Eisern darstellt: So ist das erklärte Ziel, Partymusik-Sparten für nationalistische Szenen zu erschließen, allen voran Techno, Frenchcore, Gabber und Hardstyle. So mischen die Mitglieder der Gruppe selbst Tracks und drucken Szene-Bekleidung. Die Mitglieder sind mehr oder minder deckungsgleich mit denen von Eisern, entstammen jedoch tendenziell der Rapid-Kurve. Einer der Köpfe dürfte der Neonazi und Rapid-Hooligan Christian Csincsics sein, der zumindest als Ansprechpartner für die Tanzbrigade-Szenebekleidung bezeichnet werden kann. Aufgefallen sind sie zuletzt, als sie während der Corona-Demo am 2. Oktober 2021 die Kundgebung von Antifaschist:innen angriffen und dabei den Gastgarten eines anliegenden Cafés verwüsteten (siehe letzter Beitrag auf unserem Blog).
Das Radaubruder Label haben wir oben bereits erwähnt: Spirk, als Kämpfer in seiner Sparte zweifellos als gut zu bezeichnen, dürfte nicht die notwendige finanziellen Mittel haben, um seine MMA-Karriere selbstständig voran zu treiben, da springt dann Berger mit Kapital in die Bresche. So ist auch klar, in welche Richtung sich Bergers „Investments“ orientieren.
Das „Dachservice Haimer“ in der Rüdengasse 6/18, 1030 Wien, ist das Unternehmen von Johannes Haimer. Haimer ist ein Wiener Neonazi, der Kontakt zum B&H Wien Umfeld pflegte. So zeigt ihn etwa ein Foto an der Seite Andre Herolds, als sie gemeinsam mit dem Vandalen und berüchtigten ex-Landser und „Lunikoff-Verschwörung“-Lead-Sänger Michael „Lunikoff“ Regener beim „legendären“ Konzert am 27. November 2004 im „Club Wodan“ im ostsächsischen Mücka posieren. Auf Haimers Brust prangt darüber hinaus eine riesige Elhaz-Rune. Momentan dürfte Haimer sich im Milieu der Tanzbrigade bewegen, wie Fotos nahe legen.

Und so wundert es auch kaum, dass Wabro und Berger am ersten Tag der Kurse im „Etti’s Gym“ vor der Tür standen.

Im Laufe unserer Recherchen hat sich die Unterstützungsstruktur Spirks verändert: Es dürfte zum kompletten Bruch mit Noricum gekommen sein. Szene-Gerüchten zufolge hat Spirk gemeinsam mit anderen Hooligans gekämpft, jedoch für jenen Wiener Verein, dem die meisten Mitglieder von Nocirum nicht angehören: Austria Wien. Fest steht jedenfalls, dass Spirk bei seinem letzten Kampf nicht mehr von Noricum zum Ring begleitet worden ist, dass das Logo der STB Bau- u. Handelsgesellschaft m.b.H von seinem Merchandise-Profil verschwunden ist und auch sonst keine Noricum-Symbole mehr zur Schau gestellt werden. Darüberhinaus scheint sich auch Bergers Radaubruder Streetwear zurückgezogen haben und auch das Logo der Tanzbrigade ist nicht mehr präsent. Per Social Media Posting stellte Spirk seine neuen Sponsor:innen am 29. März 2022 selbst vor (siehe Bild) – grundsätzlich kann festgestellt werden, dass die gesamte Sponsering-Struktur wesentlich weniger offensichtlich rechtsextrem aufgebaut ist. Weder im Falle von Sandra Schelivsky noch von Wolfang Stummer (Bulb Fiction) können einschlägige Inhalte oder Verbindungen bisher nachgewiesen werden. Allerdings ist mit „Big Jack Streetwear“ eine neue Facette an Verbindungen aufgetan: Der Inhaber Mario Kietreiber ist im Umfeld der Hells Angels aktiv, verkauft in seinem Laden in der Lugner City auch Hells Angels-Merch. Auch hat Kietreiber gute Kontakte zum Other Place, das von den Hells Angels betrieben wird: Regelmäßig wird sein Laden auch im Other Place beworben, er wiederum bewirbt das Lokal. Darüber hinaus hat Spirks Lebensgefährtin, das Erotikmodel und „Showgirl“, Mina Reiter (Eigenbezeichnung auf Instagram) gute Kontakte in die MC-Szene, v. a. den Hells Angels: Des Öfteren posiert sie als Model im Other Place und bewirbt wechselseitig Kietreibers Laden und das Lokal – seit Neuestem nun auch Spirk.

Trotz der Neuerungen wollen wir die vorherigen Organisierungsform dennoch – es wird nicht die letzte dieser Art gewesen sein – in ihrer sozioökonomischen Funktionsweise aufschlüsseln. Wie wird also ein Kampf von Spirk organisiert, welche Strukturen bringen/brachten sich wie und wann ein? Hier ein Beispiel von der 22. Vendetta Fight Night in Neusiedl am See am 4. September 2021.
Anders als beim KdN passieren die Veranstaltungen der United Tribuns unter Einbindung einer möglichst großen Öffentlichkeit – was zum Einen natürlich daran liegt, dass die UT mit den Fight Nights verdienen wollen, zum anderen, dass es kein genuin neonazistisches Polit-Event ist.
Veranstaltungsort waren die Flächen des Autohauses Josef Kamper in Neusiedl am See. Bülent Saglam als Schirmherr griff dabei wohl auf Unterstützung und Kontakte vom Präsident des Pannonia Chapters der United Tribuns, Christian Trummer (siehe oben) zurück.

Die Veranstaltung beginnt mit der Eröffnung durch Bülent Saglam im Ring, der sich bei den Besucher:innen für ihr Kommen sowie bei den Unterstützer:innen für ihren Support bedankt. Als nächstes wird auf aktuelle Charity-Aktionen des MCs hingewiesen und von ihnen unterstützte Kinder aus einem SOS-Kinderdorf in den Ring geholt, medial inszenierte Geschenkübergabe inklusive. Nur wenige Stunden später sollten an ihrer Stelle zumindest drei rechtsextreme Kampfsportler stehen – das Topos der Selbstinszenierung auf Kosten karitativer Einrichtungen ist aber ein hinlänglich bekanntes aus dem Bereich der 1%-MCs.

Aus unserer Sicht relevant sind diese Kampfsportveranstaltung (mehrfach im Jahr organisiert) nicht allein aus Interessen an den United Tribuns, sondern auch auf Grund der Fight Card. Im Laufe des Abends sollten Daniel Schordje (auf Schordje wird weiter unten detaillierter eingegangen), Patrick „Panzer“ Spirk und Patrick Rainer (rechter Hooligan von Rapid Wien) im Ring stehen. Bereits im Vorfeld des Kampfes wurde Werbung dafür betrieben und so fand sich unter den Kommentaren zu Spirks Kampf freundschaftliches Geplänkel mit Christian „Guntramsdorfer“ Wagner, einem mehrfach vorbestraften Neonazi aus dem Unsterblich Wien Umfeld. Verfolgt man die Werbung sowie die mediale Kundmachung nach den Kämpfen, lässt sich erkennen, dass Spirk und Rainer in der Vorbereitung gemeinsam von Marc Reifberger, dem Head-Coach des Invictus BJJ Vienna trainiert worden sind, wo mehrfach rechtsextreme Figuren aus der Wiener Fanszene anzutreffen sind. Reifberger wird darüber hinaus am 23. April 2022 selbst im Oktagon der Vendetta stehen.

Am Tag des Kampfes konnten sich Spirk und Rainer auf ihre Kameraden verlassen. Mit angereist waren auf Seiten Spirks Johannes Haimer, Roman Blaschek und Phil Fegerl sowie Robert Wabro (siehe oben). Rainer begleiteten derweilen an die 50 Personen aus dem Rapid Wien-Umfeld in den Ring, aber auch Hooligans des 1. FC Nürnberg waren angereist, um beim Walk-in Rainers Pyrotechnik in den Farben Rapids zu zünden. Die Kollegen aus Nürnberg wurden nach dem Kampf für ein Soli-Foto in den Ring geholt.

Kampfbilanz: Alle drei Kämpfer (Spirk, Rainer und Schordje) haben ihre Kämpfe in der ersten Runde durch TKO gewonnen. Somit konnte sich die Kämpfertruppe in der Öffentlichkeit präsentieren und vermarkten – Kampfsport von Faschist:innen für Faschist:innen?

Imagefilm entstanden im Rahmen der Vendetta 22 in Neusiedl am See. Prominent abgelichtet sind darin u. a. Daniel Schordje und Patrick Rainer.

Rechter Kampfsport als weitläufiges soziales Problemfeld: Entwicklung von gewaltbereiten Mischszenen [10]

Wir wollen an dieser Stelle das Feld der Betrachtung nochmals etwas nach außen erweitern: nämlich auf den Bereich Kampfsport und dessen weitere Relevanz in der Öffentlichkeit, spezifisch die historische Entwicklung von Kampfsport als Mittel rechtsextremer Politik.

Wie bereits die umfassenden Recherchen des Dokumentationsportals Runter von der Matte gezeigt haben, gibt es im Kampfsport (vor allem MMA) oftmals starke Überschneidungen zu rechtsextremen Umtrieben. Dass das per se nicht weiter verwunderlich ist, liegt auf der Hand und wurde des Öfteren analytisch auseinandergesetzt. Wir wollen hier den Fokus auf eine gewisse Erneuerung der Praxis rechtsextremer Gruppieren in Österreich eingehen, nämlich: die Ablösung des traditionell neonazistischen Konzepts „Wehrsport“ durch einen starken Fokus auf klassische Kampfsportsparten (v. a.englisches Boxen, Kickboxen, Muay Thai, MMA, BJJ). Dies kann für fast alle Gruppen festgestellt werden, beginnend bei parlamentarischen Rechtsextremen wie dem RFJ bis hin zu einschlägig neonazistischen Hooligan-Verbänden wie etwa Unsterblich. Prägte das Aktionsfeld österreichischer Neonazis in den 90er- und 2000er-Jahren noch der Aufbau bewaffneter Kameradschaften, die sich für dezentralen Terror, Straßenkampf im Falle des Sturzes der Republik Österreich und neonazistischen Guerillakrieg in den ruralen Gebieten vorbereiteten, so ist heute insofern eine Veränderung zu bemerken, als organisierte rechtsextreme Hooligans, die ohnehin meisten kampfsporterfahren, eine große Rolle als teils eigenständige Kraft in rechten Protestkulturen einnehmen.

Hooligan-Gruppen, die zumeist durch ihre Anbindung an sogenannten „Wiesn-Partien“ (Szene-Begriff; weiter bekannt auch als „Dritte Halbzeit“)[11] ohnehin einen massiven Fokus auf eine solide Kampfsport-Ausbildung legen – zumeist Muay Thai oder MMA, oft gepaart mit intensivem BJJ-Training – nahmen im Verlauf der letzten Jahre auch in Österreich eine immer höhere Relevanz für rechtsextreme Mobilisierungen ein. Doch auch die „Neue Rechte“ (Eigenbezeichnung) legt immer mehr Wert auf obig erwähnte Kampfsport-Sparten: Beispielhaft ist hier etwa das Gym des Identitären-Kader Luca Kerbl „Zitadellen Sport Graz“ zu nennen, indem u. a. auch der IB-Faschist, und mittlerweile an der Schwelle zum Profi-MMA-Fighter stehende, Daniel Schordje unterrichtet (zu Schordje unten mehr). Der Name des Gyms lehnt sich an das Lokal „Citadelle“ des besonders gewaltbereiten Ablegers der französischen „Génération Identitaire“ in Lille an, dem der Muay Thai-Kämpfer,  im Umfeld des neonazistischen Hooligan-Verbandes „LOSC Army“ aktive Faschist Aurélien Verhassel vorsteht.

Wichtig ist in diesem Kontext zu bemerken, dass es sich bei der „Neuen Rechten“ und vor allem jüngeren Hooligan-Gruppen um eine Mischszene handelt. Das wurde des Öfteren auf den Veranstaltungen der IBÖ, vor allem aber in den letzten zwei Jahren während der Corona-Demos sehr offensichtlich. So fanden sich beim rechtsextremen „Eschlmüller-Gedenken“ ebenfalls rechtsextreme Hooligans der Gruppe „KAI 2000“ der Austria Wien (in der Ostkurve direkt neben den rechtsextremen Gruppen „Fanatics“, deren Untegruppe „Sektion Inferno“ und den „Bulldogs“) am gemeinsamen Treffpunkt bei der Josefstädter Straße ein – der Kontakt zwischen IB und Hooligans schien freundlich und gut. Besonders drastisch aber zeigte sich die Mischszene bei den Demos vergangenen Herbst und Winter: Dort vermengten sich Identitäre und Hooligans unterschiedlicher Gruppierungen im gemeinsamen Frontblock. Optisch kaum unterscheidbar, orientierte sich der mehrere hundert Menschen umfassende Block an den Aktionsformen der Hooligans: Journalist:innen wurden attackiert, Polizist:innen angegriffen und Pyrotechnik im großen Stil eingesetzt. In diesen Blöcken unterwegs war u. a. der WSK-Hooligan Nino Kadrnoska, der gemeinsam mit Jakub Czyz den „Boxclub Rapid Wien“ als organschaftlicher Vertreter repräsentiert.

Die Wechselwirkung, die durch die Überschneidung von Akteur:innen erzielt wird, dürfte vor allem eine Verschärfung des Gewaltpotenzials bewirken: Immer mehr rechtsextreme Gyms bereiten politisch aktive Rechte auf den Straßenkampf vor (siehe oben Warrior Gym), zahlreiche Vorfälle bezeugen den erfolgreich Einsatz von MMA- und BJJ-Techniken gegen Anti-Protest-Einheiten der Polizei durch kampferprobte Hooligans[12]. Hierbei spielen vor allem professionelle Kämpfer:innen, die ihr Wissen an die einzelnen Gruppierungen weitergeben eine integrale Rolle. Besonders dann, wenn sie sich zusätzlich in einem offiziell legitimierten Rahmen bewegen, der darüber hinaus noch ökonomisch rentabel ist (siehe oben Vendetta Fight Nights).

Problemfeld Professionalisierung und Monetarisierung: Die CFS, die Ettl Bros. GmbH und die Beteiligung von faschistischen Kämpfer:innen im Big Business UFC

Die „Cage Fight Series“ (CFS) wird von den beiden Brüdern Gerhard und Michael Ettl betrieben. Beide waren in unterschiedlichen Disziplinen des Kampfsport-Bereichs aktiv und in Österreich sehr erfolgreich. Seit 2007 betreiben die Ettl-Brüder die CFS, in der laut Archiv insgesamt 22 Kämpfer:innen engagiert sind bzw. aktiv verpflichtet waren/sind. Die CFS wuchs über die Jahre ihres Bestehens konstant: Bald schon konnten Veträge mit lokalen TV-Sendern wie etwa ATV abgeschlossen werden, Berichte im ORF wurden häufiger und lokale Promis wurden Standardgäste der CFS. Die hohen Preisgelder, die gezahlt werden konnten (bis zu 10.000€), lockten hierbei zahlreiche Profi-Kämpfer:innen aus ganz Europa an, wodurch die CFS zu einem der wichtigsten MMA-Ausrichter in ganz Europa avancierte: Am 12. Februar 2022 hatten es die Ettls dann erreicht – die CFS war in den weltweit verfügbaren „UFC Fight Pass“ aufgenommen worden, das erste offizielle Event ging im UFC Fight Pass über die Bühne. Der UFC Fight Pass stellt die zentrale Streaming-Plattform der UFC dar, die zu vollen Anteilen der „Zuffa LLC“ gehört – der Marktwert der UFC beträgt mehrere Milliarden US-Dollar, Tendenz steigend. Der UFC Fight Pass wird in 200 Ländern konsumiert, dutzende MMA-Ligen sind darin enthalten, die Subscription-Wachstumsraten mehrjähriger Accounts liegen bei 23%, Tendenz laut Management steigend. Es ist leicht auszumalen, dass sich die CFS unter den Fittichen der UFC stark weiter professionalisieren und entwickeln wird.

Nun wäre das nicht weiter besorgniserregend abseits der tagtäglichen Tücken des Kampfsport (virulenter Machismo, extrem patriarchal-gewalttätige Inszenierungen bei cis-männlichen Kämpfern, Nationalismen und Traditionalismen an jeder Ecke, usw.) – jedoch fällt die CFS immer wieder dadurch auf, dass rechtsextreme Kämpfer:innen im Ring der CFS geduldet bzw. aktiv gebucht werden. Mindestens vier gelistete Kämpfer:innen, die in der CFS fix kämpf(t)en, haben Kontakte zu rechtsextremen Gruppen oder Personen oder sind gar Teil solcher Szenen; zusätzlich kann durch die Masse an rechten Gymstrukturen viel Interaktion der Ettls mit per se rechtsextremen Kämpfer:innen oder Akteur:innen konstatiert werden (z. B. mit Henry Bannert und dessen Fox Gym).

Als erstes Beispiel kann etwa der oberösterreichische MMA-Kämpfer Dominic Schober dienen. Schober kommt aus Ried und war bei dort in der Ultra- und Hooligan-Szene der „Supras 96“ unterwegs. Seine Tattoos wie auch sein Online-Auftritt beziehen sich dabei immer wieder auf den Slogan „Eisern Ried“: Bei diesem handelt es sich um das Motto einer Choreografie der „Supras 96“, die mindestens ein Mal im Stadion zum Einsatz gekommen ist. Der klingende Name, der zweifelsfrei starke Assoziationen zum neonazistischen Hooligan-Verband „Eisern Wien“ hervorrufen dürfte, kann dabei jedoch nicht eindeutig als rechts 0der aber rechtsextrem ausgedeutet werden.

Schober stellt erneut einen ideologischen Grenzfall dar: So fehlt bei seinen Auftritten nie die Österreich-Flagge, am Nationalfeiertag wünscht er „Der Heimat die Treue, zur Welt offen. Schönen Nationalfeiertag“, leugnet das Covid-19-Virus, hetzt gegen „Lockdownjunkies“ und LGBTIAQ+-Personen, verharmlost das NS-Regime und hat rechtsextrem einzustufende Tattoos (etwa einen sog. „nordischen Kompass“ und Runen-Tattoos) sowie das klassische an Stanley Kubricks Film „A Clockwork Orange“ angelehnte Hooligan-Motiv. Schober ist regelmäßiger Gast bei der Vendetta Fight Night und trainiert sowohl im Rieder „Basic Gym“ als auch im „Knockout Gym“ in Klosterneuburg, dürfte sich aber momentan hauptsächlich in Wien aufhalten. Es ist aus der kurzen Sachverhaltsdarstellung ersichtlich, dass Schober kein Rechtsextremist ist, ebenso wenig aktiv faschistische Politik macht – aber Schober ist ein ideales Beispiel für die soziokulturelle Einstellung dutzender Kampfsportler:innen. Cis-Männlichkeitskult, Nationalismus, Hass auf LGBTIAQ+-Personen, Misogynie und Verschwörungsideologeme stehen an der Tagesordnung. Dass Schober nicht ein Einzelfall, sondern vielleicht eher der Durchschnitt ist, könnte vielfach belegt werden – dass dies wiederum von gesellschaftlicher Relevanz ist (denn diese Sozialisierungsrichtlinien ziehen sich durch sämtliche Gyms) liegt auf der Hand. Und: Die cis-männliche Komplizenschaft (also das Decken von problematischem, übergriffigen, gewaltvollem Verhalten durch andere Cis-Männer) ist im Kampfsport besonders extrem ausgeprägt – deshalb führen wir auch Schober hier an.

Das nächste Beispiel ist niemand Geringeres als Dorian Pridal. Pridal betrieb bis Ende 2021 noch das Wiener Warrior Gym (siehe oben) – durch die Corona bedingten Lockdowns allerdings musste Pridal sein Gym schließen, da finanziell nicht mehr tragbar.  Wie bereits weiter oben dargelegt, ist Pridal kein Rechtsextremer per se, jedoch hat er gute Kontakte in die rechtsextreme Szene en masse, darüber hinaus ist eine gefährliche Wandlung seiner Denkweise während der Corona-Pandemie zu beobachten: So konnte Pridal auf einzelnen Corona-Demos mit Noricum-Mitgliedern gesehen werden, privat teilte er krude Verschwörungstheorien und vorwiegend QAnon-Content. Besonders nach der zwangsläufigen Schließung seines Gyms verstärkte sich dieser Trend. Das ist insofern besonders bedenklich, als bei Pridal von einem enorm hohen irrationalen Gewaltpotenzial auszugehen ist, was einerseits seine Verurteilung zu unbedingter Haft widerspiegelt, andererseits sein oftmals hochgradig irritierender Social Media-Auftritt, wo die Verherrlichung des Aktes gegenseitigen Verletzens patriarchal idealisiert wird: So posieren Pridal und ein uns zu diesem Zeitpunkt unbekannter Skinhead nach dem Sparring mit Blut verschmierten Shirts – es braucht keine Fachperson, um zu beurteilen, dass das nicht mehr im Rahmen sinnhaften, rücksichtsvollen Trainings liegt. Darüber hinaus kommt es bei Pridal des Öfteren zu einer äußerst krassen Verschneidung von Sexualität und Gewalt im Online-Auftritt: So posiert er gern oberkörperfrei mit angespannten Muskeln, rundherum rosa Instagram-Rahmen, darin blinkende Aufschriften wie „Sex and Violence / Sex“. Das Rapid Wien Fanmagazin „Forza Rapid“ widmete Pridal im September 2021 ein mehrseitiges Interview.

Der nächste Fall ist Christian Draxler und die von ihm geleitete „MMA-Academy“ in der Gewerbegasse 4, 2540 Bad Vöslau. Erneut haben wir es nicht mit einer durch und durch rechtsextremen Figur – wie das etwa bei Noricum der Fall ist – zu tun. Aber auch hier finden sich sofort einschlägige Bekannte, die unter professioneller Supervision eine Kampfausbildung absolvieren. So bewerben der bekannte Unsterblich-Neonazi Stefan Swoboda [13] und seine Lebensgefährtin Nicole Mutenthaler das Gym. Kolleg:innen der Recherche Graz konnten Swoboda darüber hinaus freundschaftlich im Ring mit Draxler posierend erkennen. Auch kämpfte Draxler mehrfach bei der Vendetta Fight Night, u. a. gegen den mittlerweile  zum Islamismus übergelaufenen Willi/Khalid Ott. Darüber hinaus dürfte Draxler zusammen mit dem Bundesheer-Sanitäter und zweifachen K1-Europameister Ahmet „Ronin“ Simsek illegale Bare Knuckle Fights in Sopron organisieren. Simsek trainiert von Zeit zu Zeit in Draxlers Gym, nimmt dort an MMA-Fortbildungen teil und arbeitet hauptberuflich als Sanitäter beim Heer, wo er sich als massiver Waffenfetischist gibt und durch Aussagen wie „Can’t wait for the next war!“ irritiert. Ebenso stand Simsek wie auch Draxler während der Vendetta Fight Night im Ring – interessanter Sidefact: Über Simsek erschien der autobiografische Film „Soldat Ahmet“, in dem Simsek sich selbst spielt. Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet.

Ebenso wenig dürften die Ettls darauf achten, wen sie von außen als Kämpfer:innen engagieren: Auch hier verweisen wir auf den Artikel der Recherche Graz – eingeladen wurde der deutsche MMA-Kampfsportler Niklas Stolze, der vom bekannten Neonazi und Lok-Hooligan Benjamin „The Hooligan“ Brinsa im „La Onda Gym“ trainiert wird – Gegner in der CFS war Christian Draxler (der den Kampf noch in der ersten Runde verlor). Brinsa ist weithin als Neonazi bekannt und wurde aufgrund seiner politischen Aktivitäten, vor allem wegen seiner tätlichen Angriffen auf Journalist:innen und Antifaschist:innen, aus der UFC geworfen (Weiteres zu Brinsa im genannten Artikel sowie auf diversen antifaschistischen Portalen rund um das Gebiet von Leipzig, sowie Runter von der Matte).

Nächste CFS-Fight Night ist übrigens am 09. April 2022 – im Ring stehen werden u. a. auch Patrick Spirk (siehe oben) und Daniel Schordje (siehe unten).

Die Ettls und die Austrian MMA Federation (AUTMMAF)

Doch nicht nur via die CFS fördern die Ettl-Brüder Kämpfer:innen aus dem rechtsextremen Spektrum – wir wollen an dieser Stelle nochmals auf einen schon genannten Rechtsextremisten hinweisen, der nun unter der Supervision der Ettl-Brüder Karriere zu machen beginnt: den Faschisten Daniel Schordje. Dieser kämpft nun auch international im österreichischen Amateur-MMA-Nationalteam – besonders erschreckend ist, dass ihm permanent mediale Aufmerksamkeit gewidmet wird,  ohne jemals seine faschistische Gesinnung zu thematisieren. So etwa posiert er nach Fights oberkörperfrei mit Österreich-Fahne – Tattoo mitten auf der Brust: „Allzeit getreu“, am linken Oberarm das IB-Lambda in Form eines Schildes. Kritische Nachfragen etwa von Seiten „fight24.tv“, die Schordje ein Interview widmen, finden nicht statt – wieder einmal scheint sich Kampfsport im apolitischen, luftleeren Raum zu bewegen. Dabei sind die Tattoos sprechend und alles andere als subtil: „Allzeit getreu“ verweist auf zweierlei: Einmal auf die Inschrift des 1931 von Heinrich Krippel errichteten „Eisernen Ritters“ am Domplatz in Wr. Neustadt (Schordje ist dort aufgewachsen), zum anderen auf den nazistischen Treue-Eid gegenüber Adolf Hitler „Dem Führer allezeit getreu“. Dass das nicht beliebig ist, zeigt die Geschichte Schordjes als Aktivist der Identitären Bewegung Niederösterreich. Schordje war dort zusammen mit seinem Bruder Philipp Schordje seit rund 2015 aktiv: Gemeinsam mit Philipp Schordje, dem neonazistischen Fanatics-Hooligan Mario Weiß und dem Hooligan aus der Kurve des SC Wr. Neustadt Johnny Mühlmann können genannte Personen als Führungsköpfe der IB Wr. Neustadt bezeichnet werden. Im Laufe der Zeit konnte Schordje bei allen wichtigen öffentlichen Auftritten der IBÖ gesehen werden: Etwa bei der Störung der „Refugees Welcome“-Demo 2015 in Traiskirchen, der Störung der Inszenierung von Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ durch geflüchtete Menschen im Audimax der Universität Wien, als Ordner auf mehreren Demos der IBÖ oder aber beim neonazistischen Aufmarsch von Markus Ripfls „Die Stimme“ in Wr. Neustadt zusammen mit Mario Weiß, seinem Bruder Philipp Schordje und Johnny Mühlmann 2019. Vor allem Mario Weiß und Philipp Schordje hatten und haben hierbei beste Kontakte zu den rechtsextremen Fangruppen der Ostkurve der Austria: Exemplarisch anführen wollen wir hier etwa Mario Weiß’ Mitgliedschaft bei den „Viola Fanatics“ und der gute Kontakt zu Unsterblich-Neonazi Stefan Swoboda, der auch aus dem Süden Niederösterreichs stammen dürfte.

Klar ist darüber hinaus auch noch, dass die oben genannte Fraktion schon neonazistisch auftrat, als die IB noch minutiös darum bemüht war, die typischen Ecken und Kanten des sogenannten Dritten Lagers zu meiden: Neonazis wie Weiß, Mühlmann oder Schordje waren nie daran interessiert, sich dem bemüht anknüpfenden Außenauftritt der Sellner-Doktrin zu unterwerfen – das zeigt auch das von der Gruppe lancierte Projekt „Defend 2700“[14]. 2019 versammelten Schordje und Weiß eine schlagkräftige Truppe aus dem Hooligan- und IB-Umfeld, um als „Bürgerwehr“ Übergriffe durch „männliche Asylwerber“ zu verhindern. Anlass war der 2019 im Wr. Neustädter Anton-Wodica-Park durch einen syrischen Asylwerber begangene Femizid – wie so oft instrumentalisierten die Rechtsextremisten den Mord, um rassistische Hetze gegen „Asylsystem“ und „Massenmigration“ öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen. Schordje und Weiß hatten eine schlagkräftige Truppe aus dem Hooligan- und IB-Umfeld versammelt, um dann als „Bürgerwehr“ Übergriffe und vermeintliche weitere Gewalttaten durch „männliche Asylwerber“ zu verhindern. Mit martialischen Fotos in der Nacht zeigte die Gruppe relativ schnell, dass sie wenig mit den jovial-zynischen Info-Tisch-Kampagnen Sellners zu tun haben wollten und dass all jene, die sie als Gefahr für Weiße Österreicher:innen ansahen, mit massiver Gewalt zu rechnen hatten (Großteile der Gruppe waren und sind Kampfsportler).

Dass Schordje aktuell nicht mehr auf der Straße aktiv ist, zeugt dabei weder von einem Ausstieg noch sonstiger Distanzierung: Viel wahrscheinlicher ist, dass Schordje seine Affinität zum MMA-Training vertieft hat und nun tatsächlich versucht, professionell als Kampfsportler aktiv zu sein. Dass dafür das Ziel der Profi-Status ist, liegt auf der Hand, spekuliert werden kann aber auch, dass Schordje wohl langfristig in Richtung UFC orientiert ist, da dort die größten Geldkapitalmassen vorhanden sind – zudem die Ettls nun auch im Fight Pass der UFC inkludiert sind. Der Topos des:r aus dem Straßenaktivismus aussteigenden Kampfsportler:in, um dem Kampfsport professionell nachzugehen, ist hierbei auch des Öfteren zu beobachten: Gleiches etwa gilt für die IB-Faschistin und Kickboxerin Annika Stahn (Bilder siehe Link) oder aber für die Neonazistin, Rechtsrockerin und MMA-Kampfsportlerin Isabelle Kordas, die nun unter dem Kampfnamen „Isi ‚The Mjolnir‘“[15] auftritt und wie es scheint hauptsächlich im Süden Thailands in Phuket wohnt und trainiert. Kordas trainiert(e) im von Helmut Rauch geführten „Gym 23“, wo früher auch der Wiener Neonazi Petar Helmer (B&H Vienna, suizidierte sich in der JV Eisenstadt, Lebensgefährte von Kordas) trainierte. Kordas entstammt wie auch Helmer dem Objekt 21- und B&H Wien-Umfeld und trat als Sängerin „Sterbehilfe“ auch im notorisch bekannten AFP-Lokal „Stüber-Heim“ mehrfach auf.

Die Analyse zeigt, welche Policy die Ettl Bros. GmbH offensichtlich verfolgt; Wieder einmal wird unter dem Deckmantel von bürgerlicher Toleranz gegen Neonazismus und Rechtsextremismus Nichts getan – im Gegenteil: Rechtsextreme werden hofiert, sie können live auftreten und ihre kruden, gewaltgeprägten Denk- und Handlungsweisen im Ring ausleben und präsentieren. Dass dies nun unter dem Schirm der UFC passieren soll – der erste Kampf, der auf dem UFC Fight Pass erschien, fand am 12. Februar 2022 statt – stellt eine Verschärfung der Situation dar. Zwar agiert die UFC ab und an, wenn der gesellschaftliche Druck hoch genug ist (wie im absolut extremen Fall Brinsa), aber in den meisten Fällen haben diskriminierende Diskurse und Praxen keinerlei Konsequenzen in der UFC zu fürchten. Und: Nach dem umfangreichen Text ist ebenso klar, dass die MMA-Szene in Österreich extrem rechts geprägt ist und so neonazistischen Akteur:innen die Möglichkeit bietet, ihr Können zu professionalisieren, aber auch zu monetarisieren. Erneut windet sich gesellschaftliche Apathie und Gleichgültigkeit um Rechtsextremismus in mannigfaltigen Formen und Verbindungen.

Ein lange Analyse geht hiermit zu Ende. Wir hoffen wir konnten mit unserer Recherche einige Klarheit über eine relativ verdeckt in Wien und Umland agierende Neonazigruppe schaffen und darüber hinaus das Phänomen rechten Kampfsportes sowie die Verstrickungen von 1%-MCs zum Kampfsportbusiness in Österreich genauer beleuchten.

Es ist uns ein Anliegen, dass rechtsextreme Kampfsportgruppen nicht einfach in ihren verborgenen Kellern, Lokalen und Gyms arbeiten, trainieren und netzwerken können. Darüber hinaus darf es nicht unbemerkt bleiben, wie weit rechts sich die MMA-Szene bereits situiert hat und wie integral sie für rechtsextreme Mobilisierungen geworden ist.


[1] https://www.wrestlingfever.de/franz-schlederer-im-wrestlingfever-de-interview-04-05-2019/

[2] https://www.talkaccino.at/interview/gesellschaft/wiener-praesident-red-dogs-mc-jakob-b/

[3] Siehe https://www.elconfidencial.com/espana/2020-01-16/united-tribuns-operacion-moteros-mallorca_2413972/ und https://www.majorcadailybulletin.com/news/local/2020/01/19/61559/united-tribuns-leaders-mallorca-sent-prison.html

[4] Siehe https://www.europol.europa.eu/media-press/newsroom/news/16-members-of-united-tribuns-nomads-street-gang-arrested-in-spain

[5] Siehe https://www.osce.org/representative-on-freedom-of-media/437078

[6] Siehe https://zurnal.info/clanak/kartelu-tito-i-dino-zaplijenjeno-najmanje-14-tona-kokaina/22303

[7] Siehe https://zurnal.info/clanak/bosanski-kartel-tito-i-dino-kontrolira-narko-trziste-u-evropi/22296

[8] Naser Orić ist eine eine komplexe Figur: Bekannt wurde er als ein Verteidiger der Einwohner*innen von Srebrenica 1995, als er sich mit einer kleinen Einheit gegen die serbischen Truppen stellte. Zuvor allerdings arbeitete er als Polizist für serbischen Präsidenten Slobodan Milošević, teilweise sogar auf direkten Befehl von Milošević, v. a. als es im Kosovo zu Massendemonstrationen gegen Milošević’ Regime kam. Orić wurde Anfang 2003 vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angeklagt: Seine Truppe soll rund um Srebrenica rund 50 Dörfer, die von serbischen Bosnier*innen bewohnt wurden, gezielt angegriffen und Vergeltungsmaßnahmen verübt haben: Vorwürfe lauteten auf Ermordung von Kriegsgefangenen sowie Zivilist*innen und Zerstörung von nicht-militärischer Infrastruktur. Allerdings wurden sämtliche Anklagepunkte fallen gelassen, da es kaum Beweise für die Verbrechen gab bzw. die Zahlen an potenziell Ermordeten von Kommissionen widerlegt wurden. Als Orić Milošević in Den Haag vor dem Internationalen Strafgerichtshof traf, interagierte er freundschaftlich mit diesem – paradox in Anbetracht der Situaion. Nun scheint Orić allerdings in den Gewässern organisierten Drogenhandels aktiv zu sein – so zeigt ihn unten zu sehendes Foto eben in Peru, zusammen Elvis Hodžić (l.) und den beiden Ćulum-Brüdern (2. v. l. Armin „Boki“ und 1. v. r. Nermin).

[9] Siehe https://zurnal.info/clanak/iz-sarajevskog-sokaka-do-kolumbije/22321

[9] Auch an dieser Stelle wollen wir nochmals auf unseren letzten Beitrag hinweisen, wo nochmals unter anderen Vorzeichen auf die Mischszene eingegangen wird.

[10] Unter solchen sind organisierte Kämpfe zwischen Hooligan-Gruppen zweier Vereine zu verstehen: Dabei wird eine fixe Anzahl an Kämpfer:innen ausgemacht, die sich zumeist auf abgelegenen Brachlandschaften abseits urbaner Zentren treffen, um dort bare knuckle zu kämpfen. Die einzige zugelassene Regel besteht darin, dass nur ein absolutes K.O. sämtlicher Kämpfer einer Gruppe als Sieg zählt. Das von extremer patriarchaler Gewalt geprägte Klientel ist dabei international organisiert und geht nach fixen sozialen Codes und Richtlinien vor. Postuliert wird in diesem Umfeld zumeist eine verpflichtende apolitische Haltung, welche jedoch in den allermeisten Fällen unter keinen Umständen zutrifft.

[11] Der Fall Martin Rutter etwa zeigt genau, wie weit diese Dimension reichen kann. Rutter z. B. heuerte gezielt „taktische Hools“ (wie Rutter sie nannte) an, damit diese gewissermaßen vom Kopf der Demo weg gegen repressiv auftretende Polizeieinheiten agieren.  Dabei werden Hooligan-Blöcke gebildet, die entweder gezielte Eskalationen herbeiführen oder z. B. Polizeisperren durchbrechen versuchen.

[12] Sowoboda ist übrigens häufiger Gast bei den Vendetta Fight Nights, so auch in Neusiedl am See. Dort posierte er vor Beginn mit der Nr. 2 des Wiener Tribun-Chapters Selim Gemah.

[13] Bei 2700 handelt es sich um die Postleitzahl von Wiener Neustadt.

[14] „Mjolnir“ ist der Name des Hammers von Thor in der traditionellen nordischen Mythologie.

Rechte, Rechtsextreme und neonazistische Hooligans. Die Prügeltruppe der Corona-Demonstrationen

Seit Beginn der Corona-Demonstrationen konnte beobachtet werden, dass sich immer mehr Hooligan-Gruppen abseits der Kurve bei den Demonstrationen in Wien und den Landeshauptstädten einfanden. Was als reines Get-together einer ideologischen Mischszene begann, beinahe immer mit einem hohem Maß an  Alkoholkonsum einherging und wohl auch durch die Unmöglichkeit von Stadion-Besuchen zu erklären ist, entwickelte sich über die zahllosen Demonstrationen zu einer intensiven Einbindung hooliganistischer Gruppen: Nach der Spaltung der Organisationsgruppe in die Fraktionen Martin Rutter/Hannes Brejcha und Alexander Ehrlich/Thomas Schaurecker/Manuel Müllner, enthüllte die Gruppe um Ehrlich, die sich als „Bundesweite Allianz“ neu formiert hatte, dass die Beziehung von Rutter zu dezidiert rechtsextremen Hooligan-Gruppen weit intensiver war, als ursprünglich angenommen. So bewiesen Ehrlich und Schaurecker [1] anhand von Skizzen, Plänen und Chat-Nachrichten anschaulich, dass Rutter rechtsextreme Hooligans teilweise gezielt eingesetzt hatte: So u. a. am 10. April 2021, als Rutter in einem Strukturplan der anstehenden Demonstration festhielt, sogenannte „taktische Hools“ sollten gegebenenfalls versuchen, etwaige Kessel an polizeitaktisch schwach strukturierten Stellen zu durchbrechen [2]. Das Szenario trat wie erwartet ein, der Plan geregelt in Kraft: Eine komplette Sperrgitter-Kette wurde niedergerissen, vorbereitete Face-Shields und Gesichtsmasken verhinderten die Rückstoßkraft eingesetzter Pfeffersprays und der Kessel konnte aufgebrochen werden [3]. Ein politischer Erfolg für den rechtsextremen Taktiker und Demagogen Martin Rutter – Gewinn von „Ehre“, i. e. symbolisches Kapital, für die beteiligten Hooligans: Das Konzept, seine Kräfte öffentlich unter Beweis zu stellen, das immer an der Erfahrung des Kampfwillens und -bereitschaft gemessen wird, spielt eine zentrale Rolle in der beinahe kultisch überhöhten patriarchalen Männlichkeitsstruktur von Hooligan-Gruppen.

Screenshot aus dem Livestream von Thomas Schaurecker, 8.6.2021

Was aber macht die Hooligan-Gruppen so attraktiv für Ideologen und Rechtsextreme wie Martin Rutter, aber auch für eingeschworene Neonazis wie Gottfried Küssel – nur an roher, unorganisierter Gewaltbereitschaft kann es schließlich nicht liegen.

Schon seit den 90er-Jahren bemühen sich Rechtsextreme um die „Gunst“ rechter, schwer patriarchal organisierter Kurvenstrukturen. Belegt ist etwa, das Küssel rund um die Organisierung und Gründung der VAPO in der Kurve der Wiener Clubs Austria, vor allem aber bei Rapid versuchte, junge Männer für seine politischen Vorhaben zu gewinnen: Besonders dezidiert rechte Gruppen wie etwa die neonazistische Skinhead-Fangruppe „Hütteldorfer Terrorszene“, die „Bulldogs Austria“ oder die als unkontrollierte Prügeltruppe agierende Gruppe „Atzgersdorf“ sprachen und sprechen Neonazi-Akteur:innen besonders an. Kerninteresse rechtsextremer Agitator:innen scheint dabei seit jeher unverändert dreierlei zu sein:

Zum Ersten – der vielleicht wichtigste Faktor: Der in der Kurve und insbesondere rechten Fangruppierungen vorherrschende Antifeminismus. Strikt hierarchisch organisiert mit zugewiesenen Rollen- und Aufgabenstrukturen, spielt der Cis-Männlichkeitsbund eine integrale Rolle im martialischen Auftreten rechter Fangruppierungen. Starke Ähnlichkeiten sind dabei etwa mit rechtsextremen Kameradschaften festzustellen oder aber Burschenschaften – auch in der Raumordnung von Küssels Ferialverbindung Reich spielte dezidierter Antifeminismus eine Rolle: So durften etwa nur an bestimmten Tagen weiblich gelesene Personen den Raum betreten, Treffen und Kameradschaftsabende waren ausschließlich Cis-Männern vorbehalten.

Direkt an die betont patriarchal-männerbündischen Strukturen anschließend findet sich eine besonders hohe Gewaltaffinität in Hooligan-Strukturen: Sich als Kämpfer auf der Straße zu beweisen, gehört zum tagtäglichen Hooligan-Leben dazu, ebenso wie das Einstehen für die Gruppe und den Bund. In diesem Rahmen ist auch ein Fokus auf fundierte Kampfsportausbildungen in teils vereinsinternen Gyms, wo Englisches Boxen, Muay Thai, BJJ und MMA trainiert wird, festzustellen – dies soll die eingeschworenen Gruppen noch fester binden und zugleich das Können klandestin-verschworen abseits der Öffentlichkeit schulen.

Zuletzt: Die Rechtsoffenheit des Fußballsektors in Österreich sowie die hohe Zahlen an organisierten Rechtsextremen in den Kurven dürfte die Fanszene für organisierte Neonazis besonders attraktiv machen. So etwa ist es ein offenes Geheimnis, dass in den Lokalen der Austria nach Spielen nazistische Lieder und NS-Gesten durchaus standardmäßig vorgetragen werden – wer dem widerspricht, sieht sich mit massiven physischen Konsequenzen und Bedrohungsszenarien konfrontiert, oder verlässt die Lokalität. Die Verschneidung organisierten Rechtsextremismus’ und Kampfsport ist dabei eine bedrohliche Entwicklung – besonders die einsetzende Professionalisierung im Sektor hooliganistischer Auseinandersetzung ist mit Argusaugen zu überwachen: Während in den 60er- und 70er-Jahren die diffuse Massenauseinandersetzung am Weg zum und vom Stadion noch im Vordergrund stand, sind es heutzutage die strikt organisierten Ackerkämpfe (österr.: „Wiesnpartie“), die vorrangig angestrebt werden. Getroffen wird sich abseits der Spielstädte in Industriegebieten oder Wäldern, wo eine vorab fixierte Anzahl an Kämpfer:innen gegeneinander antritt – als beschränkendes Regelwerk gilt lediglich, dass, wer „nachhaltig“ am Boden liegt, als k.o. gilt (TKO gibt es nicht);  auf diese Person darf dann nicht weiter eingeschlagen werden.

Diese Form des Kampfes wiederum findet Anklang in weiteren – allerdings ebenso rechtsoffenen – Kampfsportmilieus: Exemplarisch wollen wir hier die „Hype-Crew“ und die Eventreihe „King of the Streets“ (KOTS) nennen. KOTS selbst beschreibt sich als „Underground Fightclub“ – vorrangiges Klientel sind Hooligans europäischer Clubs, das Logo ist vom Hooligan-Symbol geprägt [4]. Gekämpft wird ohne Regeln, jeder Kampfstil ist erlaubt, lediglich ein gewisses Maß an „Ehrenkodex“ rahmt den Raum extremer patriarchaler Gewalt. Zwar gibt es Ringrichter, jedoch stoppen diese meist erst, wenn einer der beiden Kämpfenden total k.o. ist, sprich: heftige Blutungen aufweist, einer der beiden tatsächlich am Boden bleibt oder das Bewusstsein verliert. Gekämpft wird vor allem  um „Ehre“ in unterschiedlichen Street-Fight-Szenarien, so z. B. in einer Lagerhalle (Ring markiert durch Baugeländer), in verlassenen Parkgaragen, auf Dächern usw. Bei KOTS errungene Siege bringen in der Welt des Hooliganismus hohe Mengen an Prestige und symbolischem Kapital; die Kämpfenden sind meist avancierte bis professionelle Kampfsportler, jahrelanges Training und gute Technik prägen die Veranstaltungen der Hype-Crew. Nun wäre das alles eben so wie es ist – Hooligans, die sich in martialischer Manier in hochgradig gefährlichem Kampfsport Bareknuckle prügeln – Problem aber ist (und deshalb auch hier von Belang): Trotz zahlreicher Beteuerung seitens Hype-Crew und Kämpfenden, es handle sich um ein gänzlich apolitisches Event, finden rechtsextreme Hooligans ihren Weg allzu oft in den Ring von KOTS. Darüber hinaus wirken Streetfighting-Veranstaltungen wie KOTS auch auf die Szene zurück. Hooligan-Gruppen werden immer kampferprobter, professionalisieren die Kultur exzessiver körperlicher Auseinandersetzung, und im Fall von KOTS entwickelt sich daraus u. U. eine ökonomische Rentabilität [5].

Werden solche Hooligans dann von lokalen Rechtsextremist:innen angeworben, um z. B. Demoschutz zu machen (wie im Falle einiger IB-Demos) oder aber gar wie im Falle der Corona-Demonstrationen als taktische Kommandogruppe, wird das Problemfeld Hooliganismus zum weiteren gesellschaftlichen Problem. Die größte Anzahl der in Wien bei den Corona-Demonstrationen anwesenden Hooligans stammte dabei ohne Frage aus den Kurven der beiden großen Wiener Clubs:  So waren etwa Personen der Austria-Fanclubs „Viola Fanactis“ (inkl. Untergruppe „Sektion Inferno“), ehemalige „Flagrantia Wien“-Mitglieder (Flagrantia als Fan-Gruppe ist allerdings nicht mehr aktiv), Personen von „KAI 2000“ und „Unsterblich Wien“-Kader  auf den Corona-Demonstrationen in den Hool-Blöcken anzutreffen; bei Rapid aus den Gruppen der „Alte Garde“, der „Lions Rapid“, Leute aus dem Umfeld des Techno-Kollektivs „Traumvabrik“, der „Ultras Rapid“ sowie der gemischten „Wiesn“-Gruppe „Wiener Schlägerknaben“ (WSK) [6]. Neben Wiener Beteiligung war darüber hinaus eine „Delegation“ des Linzer Clubs „FC Blau Weiß Linz“ regelmäßig im Umfeld junger Austria- und WSK-Hooligans unterwegs.

Zu beobachten war dabei meist ein ähnlich ablaufendes Szenario: Entweder die IBÖ/RFJ stellte den ersten Block: Dann formierte sich meist am Rande des Blocks Hooligan-Züge, die zum Einen den Block nach außen hin abschirmten, missliebige Journalist:innen angriffen oder am Arbeiten hinderten, sowie Durchbruchsversuche durch Polizeisperren unterstützten. Hielt die IBÖ sich nicht an der Spitze auf und es fehlte ein unmittelbar gewaltbereiter Block, zogen oft sämtliche Stadion-Gruppen an die Spitze und formierten sich als loser Block: Vollkommen vermummt, mit Böllern und Pyrotechnik ausgerüstet sowie ab und an mit Schlagschutzhandschuhen, „Selbstverteidigungsschirmen“ und Pfefferspray bewaffnet, konnte das gewaltaffine Klientel teilweise bis zu 250 Personen in seinen Reihen zählen. Formten sich diese Blöcke während der Aufmärsche, kann retrospektiv festgehalten werden, dass es fast immer zu Auseinandersetzungen (nicht in der Intensität wie in den Niederlanden oder Belgien) kam: Als herausstechende Beispiele wollen wir hier vier Demotage nennen, die als besonders anschaulich erachtet werden können.

Hool-Block an der Spitze der Demonstration am

Beispiel a): Demonstration der Corona-Leugner:innen am 06. März 2021. Nach diversen Startpunkten in der Wiener Innenstadt versuchten große Demonstrationszüge über den Ring zu ziehen. Nach kleineren Auseinandersetzungen mit Antifaschist:innen bewegte sich die Menge über unterschiedliche Routen in Richtung FPÖ-Kundgebung auf der Jesuitenwiese in der Prater Hauptallee, wo FPÖ-Parteiobmann Herbert Kickl reden sollte. Nachdem es Antifaschist:innen gelungen war, den Aufmarsch mittelfristig zu stören und zu blockieren, formierten sich rasch an beiden Seiten (dazwischen wenige Polizist:innen) die oben angesprochenen Hooligan-Züge. Diese umgingen die Sperren der Polizei und unmittelbar danach kam es zu direkten Angriffen rechtsextremer Hooligans auf Antifaschist:innen (den Antifaschist:innen gelang es, die Angriffe abzuwehren; währenddessen war dann die WEGA mit Hundestaffel angerückt). Beteiligt waren u. a. Gruppen der Wiener Austria, vor allem die extrem gewaltaffine Gruppe um den „Flagrantia Wien“-Gründer und Neonazi Michael Giebner. Dieser ist oft mit einer rund 10-köpfigen Gruppe unterwegs, die sich für eine große Menge schwerer Angriffe auf Journalist:innen, Umstehende und Antifaschist:innen verantwortlich zeichnet.

In dieser Gruppe ist auch der schon aus Part I bekannte IB-Faschist und Neonazi-Hooligan Bernhard Burian aktiv: Burian ist szeneübergreifend in diversen Spektren rechtsextremer Gruppierungen anzutreffen. So hat Burian nachweislich gute Connections zum neonazistischen Techno- und House-Kollektiv „Tanzbridgade Wien“ um Immobilienverwalter Christian Csincsics (seines Zeichens in der Kurve von Rapid aktiv); auch konnte Burian auf Fotos im Noricum-Kellerlokal identifiziert werden, wo er zusammen mit den Neonazis Paul Blang und Thomas Kalcher-Cibulka zu sehen ist. Fantechnisch dürfte Burian jedoch eher dem Umfeld der Rapid-Kurve zuzuordnen zu sein – obwohl Burian des Öfteren neben diversen Hooligan-Gruppen der Ostkurve gesehen werden konnte. Die Verbindungen von Burian zur internationalen Rechtsextremen Szene zeigten sich auch am 12. Februar 2022, als Burian gemeinsam mit Cedomir Aleksijevic am „Tag der Ehre“ in Budapest teilnahm.

Sowohl Blang als auch Kalcher-Cibulka sind langjährig aktive Neonazis aus dem alpen-donau.info-Kreis rund um Karin und Gottfried Küssel sowie der Ferialverbindung Reich (jetzt: „Ferialverbindung Imperia“, Lichtenauerstraße 4, 1020). Blang als auch Kalcher-Cibulka konnten in den letzten Monaten, als wieder Spiele in Stadien mit Besucher:innen stattfinden konnten, des Öfteren im Block der „Viola Fanatics“ in der Kurve der Austria gesehen werden: Als diese ihre Freundschaft mit der neonazistischen Fangruppe „Ultras Slovan Pressburg“ erneuerten und in diesem Rahmen nach Bratislava zu einem Auswärtsspiel von Slovan reisten, waren die angereisten Fanatics, ein Unsterblich-Kader sowie die beiden Neonazis direkt an den Auseinandersetzungen mit Einsatzeinheiten aus Bratislava beteiligt. Bei dem Unsterblich-Kader handelt es sich um den wegen Gewaltdelikten mehrfach verurteilten Neonazi Christian „Guntramsdorfer“ Wagner. Kalcher-Cibulka konnte auch auf Corona-Demos in Wien identifiziert werden, ebenso wie bei den neonazistischen Aufmärschen der Corona-Querfront rund um Gottfried und Karin Küssel in Eisenstadt, wo auch Blang teilnahm.

Beispiel b): Die durch zahlreiche Polizeieinheiten – zusammengezogen aus ganz Österreich – gekesselte Demonstration am 10. April 2021. Als Reaktion auf die vorangegangen Demonstrationen, wo die Polizei völlig die Kontrolle über das Geschehen verloren und die Demonstration den gesamten Stadtverkehr lahm gelegt hatte, entschied sich die Einsatzleitung, einen große Sperrbereich um das Gebiet des Startpunkts des Aufmarsches zu errichten. Durch große Mengen an Hamburger Gittern waren sämtliche Zufahrtsstraßen großräumig abgeriegelt, der Zugang zur Demonstration wurde rigoros überwacht. Als eine antifaschistische Fahrrad-Demonstration sich zum ersten Mal dem Kessel nähern konnte, kam es dabei sofort zu einem ersten Durchbruchsversuch durch Gruppen bekannter Hooligans. Während dieser Versuch aufgrund des großen Polizeiaufgebotes scheiterte, schafften es vor allem Hooligans der Austria Wien an ein bis zwei Stellen durch die Sperrketten zu brechen und die Gitter niederzureißen. Federführend war die Hooligan-Gruppe um Michael Giebner. Ebenso kam es wieder zu Angriffen auf Journalist:innen – auch hier agierte die gerade genannte Gruppe als Hauptakteurin. Den medial weitläufig rezipierten Vorfällen ging – wie oben erwähnt – eine interne Spaltung nach: Ehrlich und Co. legten postwendend offen, dass Rutter exakt für diesen Tag sowie andere Veranstaltungen den Hooligan-Gruppen Funktionen und Aufgaben zugewiesen hatte. In a nutshell: Die gewaltbereite, rechtsextreme Hool-Fraktion solle taktisch gegen eventuelle Polizeisperren und -ketten arbeiten und nach Möglichkeit die Situation eskalieren. Retrospektiv betrachtet dürfte der Tag unter diesen Gesichtspunkten ein Erfolg gewesen sein.

Beispiel c): Angriff auf antifaschistische Kundgebung am 02. Oktober 2021. Schon während der Kundgebung attackierten Rapid-Hooligans der neonazistischen Tanzbrigade Wien Antifaschist:innen durch Flaschenwürfe. Als die antifaschistische Kundgebung kurz vor Beendigung im Sigmund-Freud-Park stand, begann plötzlich die gleiche Gruppe den Außenbereich des daneben gelegenen Café Votiv zu verwüsten und heraneilende Antifaschist:innen mit Sesseln, sowie Glas-Aschenbechern zu bewerfen. Unter den identifizierten Angreifenden befanden sich die Neonazi-Rapid-Hooligans Christian Csincsics, Matej Vendis sowie das „Final Dawn-MC“ Mitglied Marco Singraber (der aus dem Umfeld der Fanszene des 1. FC Nürnberg stammt). Eben diese Gruppe konnte am Nachmittag noch in der Gesellschaft des Neonazi-Skinheads „Mario“ beobachtet werden, der bei einschlägig rechtsextremen Aufmärschen anzutreffen ist, aber auch am „Tag der Ehre“ in Budapest teilgenommen hat und grundsätzlich über gute Kontakte zur ungarischen Neonaziszene verfügt, v. a. aber zur „Légió Hungária“.

Beispiel d): Corona-Demonstration am 8. Jänner 2021. Schon während des Sammelns der Demonstration rund um den Maria-Theresia-Platz/Heldenplatz fielen diverse Hooligan-Gruppen in kompletter Vermummung früh ins Auge. Da davor eine Weihnachts- und Neujahrs-bedingte Pause eingelegt worden war, lag die Vermutung nahe, dass vor allem diese Demonstration – nicht zuletzt wegen des sozialen Charakters der Demonstrationen, die oftmals aufgrund der aufwendigen Musik-Setups und des enormen Alkoholkonsums wie Oktoberfeste anmuten – wieder gut besucht und auch das Spannungspotenzial hoch sein würde. Kurz nach Formierung der Demonstration zu einem Zug, entstand vorne weg einer der größten Hool-Blöcke der Corona-Demonstrationen: Schätzungen gingen von rund 200–250 Personen aus – journalistische Arbeit war beinahe unmöglich, da regelrecht Jagd auf bekannte Pressevertreter:innen gemacht wurde. Hier fiel vor allem die Linzer Pyromanen-Gruppe um Fabian Gillmayr auf: Zusammen mit dem Austria-Hooligan Stefan Fellner wurden Dosen, Flaschen und Eisklumpen (wie auch schon bei der Demonstration am 11. Dezember 2021, siehe Video) auf Journalist:innen geworfen, ein – nachher festgenommener – Hooligan schlug einem Journalisten mit der Faust ins Gesicht.

Quelle: https://twitter.com/Danijel_Suster/status/1469665888324440065?s=20&t=qnLIbETdGiF-87VFa1oDGw

Hinter der praktischen Komponente der Angriffe auf politische Gegner:innen und missliebige Personen steht ein diffuses Spektrum ideologischer Ausrichtung. Zum einen finden sich klassische Neonazi-Hooligan-Gruppen in den Blöcken: Das gilt für Tanzbrigade Wien (im Folgenden als TB geführt) und deren Kurven-Pendant Eisern Wien. Dabei handelt es sich um einen Wiener Zusammenschluss neonazistischer Hooligans mit dem Ziel, Politik im Sinne eines Aufbaus nationalistischer, faschistischer sowie nationalsozialistischer Subkulturen zu betreiben. Die Gruppe dürfte zwischen 20-30 Personen umfassen, die sowohl aus den Kurven von Rapid wie Austria stammen: Die exakte ideologische Ausrichtung und daraus abgeleitete Praxis ist nicht vollends klärbar, was vor allem daran liegt, dass kaum Textmaterial vorhanden ist oder sonstige mediale Vermittlung besteht. Lediglich vier Techno-Tracks liegen vor, in den letzten Jahren tauchten rund drei Graffiti in Wien auf, die dem TB/Eisern-Kontext einwandfrei zuordenbar sind. Was jedoch aus dem Interview, das der III. Weg mit TB geführt hat, hervorgeht, ist, dass sich die Gruppe wohl vor allem um eine faschistische Beeinflussung der Club-Szene bemüht (v. a. Techno, Hardcore & Gabber). Zum anderen ist die Tatsache, dass der III. Weg sich zu einem Interview mit einer Techno-Crew hergibt, die zahlreichen politischen wie sozialen Normen des III. Weges widerspricht, ein interessanter Tatbestand per se: Das deutet zumindest auf eine hohe politische Ernsthaftigkeit hin, die der Gruppe in faschistischen Milieus zugerechnet wird.

Ebenso deutlich dem Neonazi-Spektrum zugehörig sind die Reste der Hooligan-Gruppe „Unsterblich Wien“. Obgleich die Gruppe nicht mehr in ihrer ursprünglichen Stärke auftritt, konnten etwa der Unsterblich-Neonazi Alexander Christian zusammen mit Christian Marinics gesehen werden, sowie an andere Stelle Christian Wagner – erstere sind auch Teil der sogenannten „Ballermann Jungs“: Bei den „Ballermann Jungs“ handelt es sich um eine Vernetzung der beiden Ostkurven-Hooligan-Gruppen „Unsterblich Wien“ und der nun zu den „Viola Fanatics“ zugehörigen „Sektion Inferno“– der Name bezieht sich auf gemeinsame Urlaube auf Mallorca und eine Facebook-Seite. Wie Fotos nahelegen, gibt es vor Ort gute Kontakte zu deutschen Neonazis, die mittlerweile auf Mallorca am sogenannten „Ballermann“ leben: Vor allem Unsterblich-Neonazi und Fanatics-Ehrenmitglied Bernhard Kirsch dürfte Kontakt zum Ex-NPD-Bundesvorsitzenden Holger Apfel pflegen, der dort ein Lokal betreibt. Alexander Christian verfügt über gute Connections zu Neonazis von „Kategorie Braunschweig“ und den „Exzess Boys“ (zu denen auch Holger Apfel bekanntlich gute Verbindungen hatte) – beide Braunschweiger Gruppen können regelmäßig auf Mallorca gesehen werden und zeichnen dort auch verantwortlich für Massenschlägereien. Bezüglich der Entstehungsgeschichte, einzelner Akteur:innen und diverser Aufmärsche wie Aktionen von Unsterblich verweisen wir auf die Seite der Kolleg:innen der Recherche Wien. Von hoher Relevanz sind jedoch die Infos, die wir inoffiziell durch szenekundige Fans bekommen haben: So scheinen die Unsterblich-Neonazis neuerdings wieder massiv ins Stadion zu drängen (diese hatten teilweise jahrelanges Stadionverbort ausgesprochen bekommen), was auch die Sichtung der Unsterblich-Fahne im Reichskriegsflaggen-Design beweist. Darüber hinaus dürfte sich eine rechtsextreme Konsolidierung in der Ostkurve der Austria abspielen: Wie Quellen behaupten, dürften die Unsterblich Leute auch nicht vor erheblicher Gewalt zurückschrecken, um wieder regelmäßig ins Stadion (i. d. Ostkurve) zu gelangen. Geholfen wird ihnen dabei vor allem von den Fanatics, wo speziell zum ersten Vorsänger „Mani“ Schmid sowie zu Manuel „Buzy“ Buzecky und weiteren Fanatics-Mitgliedern seit langer Zeit enge Verbindungen bestehen. Darüber hinaus dürfte der zweite Vorsänger der Fanatics ursprünglich auch aus den Reihen von Unsterblich stammen. Das symbolische Kapital der Fanatics wiederum beschleunigt die rechtsextreme Konsolidierung um ein vielfaches: So scheinen auch seit geraumer Zeit Neonazis der Ultras Slovan Pressburg in die Ostkurve zu drängen. Die entstehende rechtsextreme Umgebung sorgt laut Aussagen dafür, dass es für einigermaßen linke Fans beinahe unmöglich wird, in diesem Teil der Kurve zu stehen, da ständige Drohungen an der Tagesordnung stehen und die Gewalt gegenüber linken Fans eskaliert.

Gute Beziehungen zu den Kadern von Unsterblich bestehen auch seitens der Gruppe rund um Michael Giebner: Schon dessen Vater Hannes Giebner betätigte sich als neonazistischer Hooligan in der Kurve der Austria Wien. Michael Giebner war einer der Gründer der damaligen Jung-Hooligan-Gruppe „Flagrantia Wien“, die der Vorstand der Austria jedoch frühzeitig verbot und nicht offiziell als Fangruppierung listete. Jedoch scheint der Verbund immer noch junge Hooligans mit rechter Gesinnung anzuziehen, was auch die Vermutung zulässt, dass es sich um eine Vorfeld-Organisierung handelt, die unter der Hand junge Personen abpasst, um sie ins Spektrum gewaltbereiten und -orientierten Rechtsextremismus einzuspeisen. Heute sind die Banner der Flagrantia wieder im Stadion zu sehen. Beziehen wir dies auf Rutters Kommandostruktur und Pläne sowie dem permanent gewaltvollen Auftreten der Hooligans um Giebner, liegt die Vermutung nahe, dass Rutter u. U. genau jene junge, unter Beweisdruck stehende Gruppierung, angeworben hat, um seine Ziele durchzusetzen.

Während diese Gruppen als bewiesen einschlägig neonazistisch eingeordnet werden könne, ist dies für die anderen Akteur:innen so eindeutig nicht der Fall. Zwar treten auch Personen aus dem Umfeld der WSK und Pyromanen Linz mit Neonazi-Symboliken (etwa Thor-Steinar-Bekleidung, Schlauschals mit Wolfsangel, usw.) auf, die Gruppen selbst sind jedoch nicht ideologisch kompakt zu erfassen: Geeint sind sie jedenfalls durch ihre Gewaltbereitschaft, einer starken Offenheit zu faschistischen Strukturen sowie durch die gängige Praxis unproblematischer Eingliederung dezidierter Neonazis in ihre Reihen. Exemplarisch hierfür kann der sowohl von der Alten Garde wie auch von Unsterblich geduldete Neonazi Gilbert Link gelten: Schon in der VAPO (Kameradschaft Wiener Neustadt unter Kameradschaftsführer Sascha Kaspar) Anfang der 90er-Jahre aktiv, wurde Link später im Umfeld von Unsterblich geduldet, steht aber grundsätzlich im Block der Alten Garde. Das zeugt von der Eisern Wien-Mentalität: Zwar getrennt durch den Verein, ist die ideologische Nähe aber manchmal so groß, dass solche Wechsel – eigentlich nicht geduldet – dennoch möglich werden.

Wie ist die Situation rund um die Hooligan-Beteiligung also zu bewerten bzw. perspektivisch zu beleuchten? Klar ist, dass auch in hiesigen Corona-Protest-Strukturen gewaltbereite Hooligans am rechten Rand eine wichtige Aufgaben übernehmen, nämlich: den Umgang mit den staatlichen Repressionsorganen für die offiziellen Veranstalter:innen und Ideolog:innen im Hintergrund. Darüber hinaus organisieren sie scheinbar eigenständig einen militanten Umgang mit Antifaschist:innen und verunmöglichen gezielt wichtige Dokumentationsarbeit und Berichterstattung. Dass ein Großteil davon darüber hinaus noch als klar rechtsextrem einzustufen ist, zeigt die besorgniserregende Dimension des Komplexes.

Wie auch schon in Part I kommt hier am Ende wieder der Aufruf zur Mitarbeit. Ihr habt wen erkannt? Schreibt uns über unser Kontaktfeld und wir ergänzen unseren Artikel! Recherche heißt gemeinsam gegen Rechts!

[1]Die von Larmoyanz und inszenierter Reue geprägten Posts und Videos in der gleichnamigen Telegram-Gruppe sollten das rechtsextreme, gewalttätige Image wieder zurechtbiegen, das die Gruppe zunehmend umgab. Dass das alles reine Show ist, zeigt folgende Aktion von Ehrlich: Am 14. Mai 2021 spielte Ehrlich (Soundmaster war der bekannte Reichsbürger Frank Schreibmüller) Teile einer Rede Hitlers (1933 vor Siemens-Arbeitern) direkt neben dem ehemaligen KZ Mauthausen ab – daneben wehte eine Israelflagge. Ehrlich wurde daraufhin wegen „Verdachts auf Wiederbetätigung“ – so der juristische Sprech – einvernommen und auf freiem Fuß angezeigt.

[2]Anmerkung zum Verlauf der Demonstration: Die Polizei hatte von Beginn weg einen großen Kessel vom Schweizergarten, Belvedere, bis hinter den Hauptbahnhof gezogen, um die Demonstration zu stoppen und so zu verhindern, dass sich erneut dutzende Züge bildeten, die blindlings ohne staatliche Kontrolle durch die Stadt ziehen würden. So sicherten die Hamburger Gitter-Linien teilweise nur wenige Polizist:innen ab, die Angreifer:innen waren mehrfach in massiver Überzahl.

[3]Dazu gesagt werden muss, dass die Einsatztaktik der Polizei oftmals völlig desolat und (gewollt?) planlos erschien.

[4]Teilweise kämpfen auch Mitglieder der Hype-Crew selbst bei KOTS.

[5]Und KOTS ist bei weitem nicht das einzige Format, in dem Free Fight-Kämpfe abseits legalistisch strukturierter Rechtsräume stattfinden. Darüber hinaus sind doppelte Daseinsformate ebenso oft anzutreffen: Gekämpft wird sowohl offiziell in den jeweiligen Ligen, aber eben auch in den Underground-Fight-Clubs.

[6]D. h.: Beim WSK finden sich alle jene Leute – ausschließlich Cis-Männer – ein, die bereit sind, für den Verein auf die „Wiesn“ zu gehen, sprich: an den Auseinandersetzungen mit anderen Fight-Crews teilzunehmen. Voraussetzung ist lediglich, dass die Personen in der Kurve von Rapid aktiv sind, im Falle des WSK z. B. Werden externe Kampfsportler nicht toleriert.

Update: Irfan Peci

Durch einen Hinweis konnte eine weitere Person identifiziert werden: Bei „UP 2“ handelt es sich um Irfan Peci. Pecis Werdegang zum rechtsextremen Hetzer ist so krass wie bemerkenswert: Als 16-/17-jähriger arbeitete er als Propagandist für die Al-Qaeda in Deutschland, wurde jedoch schon mit 19 festgenommen. Nach einem Jahr Haft begann er als V-Mann zu arbeiten und islamistische Strukturen wie Akteur:innen auch im Rahmen von investigativen Recherchen aufzudecken. Was jedoch unter dem Schirm von Re-Demokratisierung des Denkens und De-Radikalisierung begann (Peci schrieb u. a. ein Buch, um Möglichkeiten zur Islamismus-Prävention auszuleuchten, kritisierte Perspektivlosigkeit und strukturellen Rassismus als Gründe schnellerer Radikalisierung, warb für Toleranz und Offenheit gegenüber Muslim:innen usw.), ging bald in die zweite Periode von Pecis Radikalisierung über: So wurde seine „Islamkritik“ immer harscher, er stellte infrage, ob der Islam überhaupt fähig sei, sich in „westlichen“ Staaten demokratisch zu beteiligen und bemängelte, dass „der Islam“ aktiv versuche, die „Integration“ von Migrant:innen zu unterbinden.

Diese Diskursformation war denn bald auch für die „Neue Rechte“ und altbekannte Rechtsextreme äußerst attraktiv: So redete Peci bei einem Pegida-Aufmarsch in Dresden 2020, nahm am rechtsextremen „Gedenken 1683“ am Kahlenberg in Wien 2020 teil (organisiert von der IB-Sektion Wien, wo u. a. die slowakische Paramilitär-Neonazi-Gruppe „Slovenskí Branci“ in Militäruniform auftrat), sprach auf AfD-Veranstaltungen ebenso wie bei FPÖ-Wien-Talks mit Wiener Landesparteiobmann Dominik Nepp. Für alle Gruppen stellt Peci die ideale Möglichkeit dar, rassistische Hetze mit einem ex-Islamisten und „Aussteiger“ als Werbegesicht zu kaschieren; Peci, der selbst mittlerweile keinen Deut weniger rechtsextrem agiert als die FPÖ oder IBÖ, konnteo zugleich sein Image als braver, integrierter Bürger, der nun überall willkommen ist, ob bei Compact, Tagesstimme, Pi-News, AfD oder FPÖ, medial aufbereiten. Dies zeigt etwa sein Telegram-Kanal klar und deutlich: Mit bekannten rechtsextremen Diskursen werden etwa Feminizide rechtsextrem vereinnahmt sowie andere Gewalttaten, um gegen „Flüchtlingsinvasion“ und „Flüchtlingsüberflutung“ Stimmung zu machen – häufiger Gast ist übrigens Martin Sellner.

Untenstehendes Foto zeigt Peci beim Kahlenberg-Gedenken in Wien: Inmitten einer Gruppe bekannter Identitärer, die allesamt langfristig in den IB-Strukturen Österreichs aktiv sind und dem rechtsextremen Kriminalkommissar des BKA Berlin Stefan Wischniowski, der aufgrund seiner Affinität zu rechtsextremen Gruppen suspendiert wurde (aber sein Gehalt aufgrund des Verbeamtungsstatus weiterhin bezieht).

Die Identitäre Bewegung, die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) und der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ)

Worum es sich ideologisch und polit-praktisch bei der Identitären Bewegung handelt, wurde bereits an vielen Stellen ausführlich dargelegt. Exemplarisch wollen wir hier auf das Buch „Die Identitären“ von Natascha Strobl, Kathrin Glösel und Julian Bruns verweisen sowie auf die zahlreichen Artikel rund um die nie gänzlich geklärte Rolle Martin Sellners in Bezug auf seinen Kontakt zum Christchurch-Attentäter.
Bevor wir auf die Rolle der Identitären in Bezug auf die Corona-Demos eingehen, ein letzter Hinweis methodischer Natur: Ob „Identitäre Bewegung Österreich“ (IBÖ), „Die Österreicher“ samt ihren Landesablegern à la „Die Wiener“ (DO5), „Patrioten/Widerstand in Bewegung“, oder „Wiener Wehrmänner“ – in allen Formaten agieren die gleichen Rechtsextremen, weswegen wir in unserem Beitrag weiterhin von „Identitären“ schreiben; denn das verfassungsrechtliche Verbot hat an der Rekrutierungspraxis der IBÖ nichts geändert.

Nach rund zwei Jahren Covid-19-Pandemie ist es den Identitären gelungen, gute Connections zu den Agitator:innen und Organisator:innen der „Megademos“ aufzubauen: So konnten die Medienprofis Ende 2021 mehrfach als Frontblock der Demos laufen und ihre antisemitischen, rassistischen und sexistischen Propaganda-Transparente medial gut in Szene setzen.[1] Gewährt wurde ihnen das vor allem vom dezidiert rechtsextremen Organisationsarm rund um Martin Rutter („Corona Widerstand“) und Hannes Brejcha („Fairdenken Wien 1 AT“). Vor allem Rutter, der ebenso Kontakte zu Gottfried Küssel wie rechtsextremen Hooligan-Gruppen pflegt, gab den Identitären eine weitreichende Plattform, auch auf virtueller Ebene (Telegram), wo er mittlerweile diverse Aufrufe der Gruppe teilt. So schafften die Identitären, was einschlägig neonazistische Gruppierungen wie etwa die „Corona-Querfront“ verabsäumt hatten: Die IB konnte sich als Kopf einer imaginierten „Volksbewegung“ inszenieren, hinter sich vermeintlich tausende von Anhänger:innen, die sich stark machen gegen das Konstrukt einer „Corona-Diktatur“; unter diesem Deckmantel aber verlor die IB ihre einschlägige Praxis der letzten Jahre keineswegs: Stets wurde auch für rassistischen „Grenzschutz“, nationalstaatlichen Autoritarismus und sexistischen Traditionalismus agitiert.

Dabei hatte sich nicht nur die rhetorische Propaganda über die zahlreichen Aufmärsche hinweg radikalisiert: Auch das Auftreten der IB gleicht nicht mehr dem von 2016. Damals noch bemüht um besondere „Bürger:innennähe“ und Anknüpfmöglichkeiten wie bspw. durch öffentliche Stammtische, treten die der IB zugehörigen Faschist:innen nun vermehrt bis einheitlich in der Optik autonomer Nationalist:innen auf. Komplett vermummt, martialisches Skandieren und aggressives Verhalten gegenüber politischen Gegner:innen ersetzen die elitäre Süffisanz und Nonchalance, mit der die IB noch vor wenigen Jahren ihre öffentlichen Veranstaltungen bestritt. Die öffentliche Erscheinung deckt sich mit jener erneuerten (und gleichzeitig so alten) Praxis und Ideologie, die dahinter steht:[2] Die älteren Kader scheinen bewusst in den Hintergrund zu treten, um Organisierungsarbeit und Wissensvermittlung zu betreiben, während die jüngeren, die sich in einer schnellen Rechtsextremismus-Spirale befinden, den Außenauftritt dominieren. Dabei ist vor allem das patriarchale Momentum von großer Bedeutung: Die Rettung des sogenannten „Abendlandes“ wird durch prolliges Mackertum inszeniert und der junge, „gut aussehende“, Kampfsport betreibende, intellektuelle Cis-Mann zum Idealtyp allen Daseins deklariert. Unter dem Label „Austrian Lives / White Lives Matter“ kommt es dabei im herbeifantasierten Endkampf um das Abendland zur Verbindung sämtlicher Formen von Diskriminierung: Gehetzt wird gegen „Invasoren“ und „Flüchtlingskohorten“, die bewusst versuchen würden, die europäische Kultur zu zerstören.

War vor der Pandemie in diesem Kontext noch ausschließlich vom „Großen Austausch“ und von „Ersetzungsmigration“ die Rede, wandelte sich im Rahmen von Covid-19-Protesten die rhetorische und ideologische Ausrichtung. Nun arbeiten sich die älteren Ideologen à la Sellner, Langberg, Hintsteiner und deutsche Faschist:innen der Schnellroda-Connection am sogenannten „Great Reset“ ab. Das virulent antisemitische Narrativ, eine geheime globale Elite würde die Geschicke der Welt lenken und durch das gezielte Herbeiführen von Kriegen, ökonomischen Krisen und Migrations- wie Fluchtbewegungen versuchen, den globalen Norden in die Knie zu zwingen, stellt eine Erweiterung des typischen Motives zeitgenössischen IB-Rechtsextremismus dar. Befruchtend dürfte hier die Debatte um die Corona-Impfung und die möglichen Impfpflicht gewirkt haben: Schon während des NS-Regimes wurden Impfungen als Abtötung der natürlichen Kräfte des Immunsystems wahrgenommen, das seine Stärke gerade durch seine Verbindung zu Heimat und heimatlicher Natur beziehe (Blut- und Boden-Kult). Impfungen wurden als „jüdisch“ ideologisch aufgeladen unter dem Narrativ, Jüd:innen würden diese befördern, um den gesunden Volkskörper und den darin beheimateten deutschen Volkswillen zu unterminieren.

Dabei stellt die Übernahme des antisemitischen Topos des „Great Reset“ und einer Verschwörung von „Globalisten“ insofern eine narrativ-ideologische Wende dar, als es sich um ein traditionell neonazistischen Motiv handelt. Waren die Identitären und ihre Selbstinszenierung als „Neue Rechte“ stets darum bemüht, die Kanten und Ecken des 90er-Jahre Neonazismus zumindest rhetorisch zu umgehen, scheuen sie davor nicht mehr zurück – was ihnen wiederum bessere Kontakte zu neonazistischen Akteur:innen einbringt und zugleich eine Extremisierung all derer Anhangsgruppen bewirkt, die im Beiwasser der IBÖ agieren.

Hooligans im Beiwasser der Identitären

Besonders auffällig sind in diesem Kontext die Verbindungen zur FPÖ und dem RFJ. Seit jeher waren starke wechselseitige Annäherungsversuche von IB und FPÖ als parlamentarischer Arm  des Rechtsexremismus, zu verzeichnen, nun aber haben sich im Laufe der „Corona-Demos“ die Beziehungen vor allem zu den Jugendorganisationen, aber auch einigen freiheitlichen Parlamentarier:innen wesentlich intensiviert: So werden gemeinsam Kundgebungen organisiert, Inhalte im Social Web geteilt und gemeinsam auf Demos gegangen – personelle Fluktuationen und Überschneidungen sind an der Tagesordnung. Rechtsextreme wie Jan Staudigl sind zwar pro forma bei der FPÖ Mitglied, agieren jedoch primär als Identitäre (die Tagespolitik unter Parteiobmann Herbert Kickl macht sich bemerkbar). Roman Möseneder schlägt in die gleiche Kerbe: Als Vorstand des RFJ-Salzburgs führte er die Salzburger FPÖ-Jugendorganisation an, während er gleichzeitig als vermummter Identitärer beim Durchfließen von Polizeiketten mitwirkte. Dass die Vermischung des Spektrums aber durchaus noch weiter reicht, zeigt etwa die Kundgebung in Deutschkreutz am 14.11.2021: Zuvor noch Schauplatz einer identitären „Grenzschutz-Aktion“, rief der RFJ Burgenland unter Führung von Peter Aschauer zur Kundgebung auf. Dort tauchten sämtliche Kader der IBÖ auf, zahlreiche RFJ-Gesichter wie etwa die Menegus-Schwestern, FPÖ-Bezirksparteiobmann wie Leo Kohlbauer (Wien Mariahilf) und ebenso Kader aus dem Umfeld von Gottfried Küssel. Dass auch zu diesem Milieu keine Berührungsängste mehr bestehen, zeigt etwa der freundliche Kontakt junger Identitärer zu Personen, die mehrfach in Eisenstadt bei den Kundgebungen der Corona-Querfront gesichtet worden waren: So etwa half der Wiener Neonazi Andreas Balluf beim Drangsalieren von Presseleuten, zwei weitere Neonazis (stilecht mit Thor Steinar-Schlauchschal) ebenso – beide gingen auch am 20.11.2021 in Wien im Frontblock, wo sie freundschaftlich mit IB-Aktivist Christian Charous und anderen plauderten. Mit Ausnahme von Roman Möseneder, der lediglich seine Funktion auf Druck hin freiwillig zurücklegte (aber in der FPÖ verblieb), blieben sämtliche Vorfälle ohne Konsequenzen.

Besonderes Augenmerk muss hierbei auf die Rolle und Funktion von FPÖ wie RFJ gelegt werden: Wenn eine parlamentarische (deshalb nicht weniger faschistoide) Partei öffentlich dazu aufruft, aktiven Widerstand jenseits parlamentarischer Debattenstruktur auszutragen und dabei mit Faschist:innen wie ex-BZÖ-Mann Rutter, der gewaltbereiten IBÖ sowie dutzenden rechtsextremen Hooligan-Gruppen kooperiert, dann muss hier eine neue Qualität populistischer Propaganda festgestellt werden. Neben krassen Verschwörungstheorien bar jeglicher empirischer Beweislast (etwa Dagmar Belakowitschs Aussagen, dass die Impfung Menschen gerade erst zu ICU-Fällen mache, alle offiziellen Zahlen gefälscht sind, Schnedlitz’ Abarbeiten an „gekauften Medien“ oder Kickls ständig herbeibeschworenes, schicksalhaftes Widerstandspathos) schafft die FPÖ so einen rechtsextremen Diskurs- und Handlungsraum, der für viele den Anschein demokratischer Legitimation evoziert. So ist ein beständig wachsendes rechtes Querfront-Potenzial angelegt, das durch die FPÖ immer mehr an Fahrt aufnimmt, nicht zuletzt auch, weil die FPÖ durch ihre Subventionen als Partei eine neue Finanzkraft darstellt, wie etwa die aufwendig inszenierten und technisch ausgerüsteten Kundgebungen zeigen. Der Zuspruch nutzt der FPÖ dabei mehrfach: Zum Einen schaffen sie massiven Druck auf der Straße; zweitens: die sensationsheischenden, rechten Boulevard-Medien à la Oe24, Österreich, Krone, Heute, exxpress u.Ä. bringen willfährig die neuesten rhetorischen Aufwiegelungen egal welcher rechtsextremer Akteur:innen (so zuletzt, als auf sämtlichen Boulevard-Blättern Martin Sellners Video beim Lichtermeer zu sehen war – was der IB natürlich in die Karten spielt und sie aktiv einkalkulieren) und drittens: Nach der Ibiza-Affäre und dem Abgang von Hofer kann die FPÖ massive Oppositionspolitik betreiben, die in ein politisches Vakuum fällt. Durch das komplette Versagen linker Oppositionspolitik durch die SPÖ und der völligen Aufgabe der Grünen zum Zweck reinen Konservierens politischer Macht in einer rechtskonservativen, neoliberalen Regierung, erscheint die FPÖ nun wieder als „wählbare“ Option, bestärkt durch die endlose Kette an Korruption, die die ÖVP als Partei durchzieht und die so den Ibiza-Skandal in seinen politisch-öffentlichen Ausmaßen relativiert.

Es bleibt abzuwarten, wie weit die FPÖ-Parteispitze tatsächlich gehen wird, vor allem, wenn die Impfpflicht als Verordnung faktisch schlagend wird: Angesichts der permanenten Waffenfunde, der beständigen Ahnung in diversen Telegram-Foren, dass die friedlichen Proteste nicht weiterhelfen, den Gewaltaufrufen im Umkreis von Fairdenken und der Brandstiftung auf der Baustellen-Besetzung in Hirschstetten, muss klar sein, dass die Rhetorik bereits jetzt schon darauf angelegt ist, umstürzlerische Tendenzen zu stärken. Ob die FPÖ dann irgendwann auch bereit ist, aktiv zu gewaltvollem Protest aufzurufen, bleibt abzuwarten.

Besonders der gesellschaftliche Umgang mit diesen Entwicklungen in linksliberalen Schichten ist mit Sorge zu beobachten: Allzu oft wird hier entweder trivialen Vereinfachungen der Proteste („alle dort anwesende sind Nazis“) nachgegeben oder aber – wie neulich der Chefredakteur des Falters Florian Klenk – auf die Inszenierung als friedliebende Bürger:innenbewegung hereingefallen: Da erscheinen dann unter Übernahme des rhetorischen Habitus „Da marschiert das Volk“ faschistische Ideologien und deren Apologet:innen als ordentliche und legitime Fraktionen gesellschaftspolitischer Verhandlungen. Diese völlig fehlgeleitete und falsch begriffene, bürgerliche Toleranz-Ideologie führt dabei zu dem, was wir nun sehen können: Ganze rechtsextreme Blöcke marschieren an der Spitze der Demos, gedeckt durch die anwesenden „normalen Bürger:innen“ – so das eigene Framing.

Unterhalb dieser kurzen ideologischen Analyse der Identitären Bewegung während der Corona-Demos findet ihr nun die Akteur:innen aus dem IB/FPÖ/RFJ-Feld.  Es sind all jene Gesichter, die auch die Frontreihen etwa am 20.11.2021 bildeten und bereits vorab – wie etwa ein Post des aB! Olympia-Burschenschafters und IB-Faschisten Gernot Schmidt – Angriffe auf Pressevertreter:innen ankündigten.

Akteur:innen ohne bekannte oder verifzierte Namen gibt es allerdings noch deutlich mehr als die oben präsentierten. Im Folgenden habt ihr die Möglichkeit der Mithilfe. Hier listen wir Fotografien von Personen auf, deren Identitäten wir bislang noch nicht feststellen konnten. Solltet ihr ehemalige Schulkolleg:innen, Arbeitskolleg:innen, Nachbar:innen oder sonstige Bekannte finden, kontaktiert uns über das Kontaktfeld am Ende dieses Beitrags. Recherche ist und bleibt ein gemeinsames-solidarisches Aufstehen gegen Rechts!

[1]Z. B.: „Kontrolliert die Grenzen, nicht euer Volk!“, „Großer Austausch, Great Reset – Stoppt den Globalistendreck!“. Auch die skandierten Sprüche zeigten eine besonders gewaltaffinen Sprachgestus, so etwa ein rassistisch-sexistischer Fluch auf den ehemaligen ÖVP-Bundeskanzler Schallenberg: „Freiheit, Heimat, Tradition – Schallenberg, du Hurensohn!“.

[2]Auf den als paradox bzw. täuschenden Begriff der sog. „Neuen Rechten“ hat des Öfteren das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) hingewiesen. Der Begriff der „Neuen Rechten“ ist insofern irreführend, als er suggeriert, es gäbe tatsächlich irgendeine Form von Erweiterung oder ideologischer Bewegung. Wie aber jetzt gut zu sehen ist, sind es tradiert rechtsextreme Ideologien, die mit Hilfe des Social Web und neuer medialer Publikationsoutlets näher an der Zeit präsentiert werden.

Zwei Jahre Corona-Demos – zwei Jahre rechtsextreme Mobilisierungen

Wer sind die faschistoiden Gruppen, die die Demos hinter sich einen?

Seit bald zwei Jahren finden regelmäßig Aufmärsche gegen die Covid-19-Maßnahmen der wechselnden Regierungen statt. Unter dem Deckmantel eines teils legitimen Unverständnisses gegenüber dem politischen Handling der Pandemie sowie der (nicht) getroffenen Maßnahmen, um die SARS-Covid-19 Pandemie effektiv zu bekämpfen, wurde Corona von Beginn weg von Rechtsextremen genutzt, um wieder auf der politischen Bildfläche zu agieren. Zahlreiche lange nicht mehr öffentlich aktive Gruppen tauchten plötzlich wieder auf, altbekannte Akteur*innen aus dem neonazistischen Spektrum frequentierten die Demos und das Hooligan-Fußballumfeld entdeckte – in Ermangelung der Kurve – wieder einmal die politische Bühne. Dabei ist festzuhalten, dass schon der erste Protest, der am 23. April 2020 am Helmut-Zilk-Platz vor der Albertina stattfand – ein Platz, der einen Gedenkort für die Opfer der Barbarei des Nationalsozialismus darstellt, markiert durch die Skulpturen-Gruppe „Mahnmal gegen Tod und Faschismus“ Alfred Hrdlickas  – eine in Österreich und Wien seit Jahren unbekannte Qualität hatte: Rund 200 Menschen sammelten sich, skandierten nationalistische Hetze wie „Wir sind das Volk“, überall Österreich-Flaggen, bekannte Rechtsextreme, aber eben im Keim schon die heute massive Querfront. Der Zynismus, diese Querfront-Aufmärsche ausgerechnet an diesem geschichtsträchtigen und sensiblen Ort beginnen zu lassen, nahm – damals noch nicht vorhersehbar – bereits zentrale Narrative der jetzigen Proteste vorweg: Nationalistische Hetze und Patriotismus, massiver Antisemitismus, überall präsente Relativierung der Shoah und virulenter Rassismus prägen das Bild der Aufmärsche der Corona-Leugner*innen. Damals noch unter dem Label von ICI (Inititiative für evidenzbasierte Corona Informationen) entstand am 23. April jene rechte Querfront, die durch die Führung politisch-kundiger Rechtsextremer über die zwei Jahre konstant wachsen sollte.

Blicken wir auf die Zahlen an Teilnehmenden, die sich mittlerweile monatlich bis wöchentlich in der Wiener Innenstadt treffen, um ihre Kundgebungen und Demonstrationen abzuhalten, kann eine drastische Entwicklung nachverfolgt werden. Nicht nur stieg die Beiteiligung über die Zeit auf Spitzenwerte von über 40.000 Demonstrant*innen aus allen österreichischen Bundesländern an, auch ein Schulterschluss diverser faschistischer und rechtsextremer Gruppierungen konnte beobachtet werden. Zentral hierbei war das Mitwirken der FPÖ und insbesondere ihrer Jugenorganisation: Seit Beginn der Corona-Proteste agitierten Parteispitzen auf Bundes- wie Landesebene gegen die Maßnahmen, teilweise wurde Corona aktiv geleugnet. Offen wurde gemeinsam mit Identitären, Faschist*innen wie Martin Rutter, Hannes Brejcha, Manuel Mittas, Jennifer Klauninger und rechtsextremen Hooligans für die Demos mobilisiert; selbst die erneute Anwesenheit von internationalen Neonazi-Größen (Küssel etwa kam erst am 11. Jänner 2019 frei) wie Teile der ehemaligen alpen-donau.info-Truppe schien die FPÖ unter Kickl  nicht weiter zu stören. Im Gegenteil: FPÖ-Abgeordnete zum Nationalrat wie etwa Dagmar Belakowitsch oder Michael Schnedlitz, Parteiobmann Herbert Kickl entdeckten – so schien es – die neonazistische Vergangenheit ihrer Partei wieder; und so wundert es auch nicht, dass z. B. in Deutschkreutz auf einer Kundgebung Identitäre, die Freiheitliche Jugend, rechte Covid-Leugner*innen, FPÖ-Politiker*innen, Neonazis aus dem Umfeld von Gottfried Küssel und (wieder einmal) die „normalen Bürger*innen“ kooperierten.

Was gegen diese äußerst besorgniserregende Mixturage zu tun ist, die es so gut wie nie schafft, breite Schichten an Menschen hinter sich unter faschistoiden Bannern zu einen, ist  aus antifaschistisch-politpraktischer Sicht noch immer unklar. Was aber klar ist: Auch wenn sich die rechtsextremen Gruppen mittlerweile alle Mühe geben, unerkannt zu bleiben, um konspirativ antifaschistischer Intervention zu entgehen, ist es integral, sie ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen, um klar zu sehen, welche gewaltbereiten Agitator*innen unter den dunklen Vermummungen stecken. Im Rahmen der neuen Rechercheplattform „Österreich Rechtsaußen“ werden wir deshalb ab heute all jene Spektren und Gruppen präsentieren, die essentiell für die Struktur der Corona-Demos sind und das rechtsextreme Bild selbiger prägen.

Beginnen wollen wir dieses Projekt heute im Laufe des Tages mit dem in den letzten Protesten sehr präsenten Spektrum der FPÖ-Identitäre-RFJ: Wir trennen diese Gruppen bewusst nicht ab, agieren sie doch als ein gesammelter politischer Akteur, der die letzten Scheinhüllen ohnehin nie dagewesener Distanzierung fallen gelassen hat.

Selbstverständnis

Für uns als Recherche-Netzwerk stellt die Aufklärung von extremistischen Ideologien der Ungleichheit sowie deren Umsetzung auf der Straße durch neonazistische Akteur*innen einen wichtigen, unabdinglichen Baustein kollektiver, antifaschistischer Praxis dar.

Gerade in Österreich ist profunde, gezielte Recherche besonders relevent, denn: Österreich dient(e) zahlreichen neonazistische Akteur*innen als stiller, abegschotteter Rückzugsort, ideal geeignet, um sich im Schatten des Erblickbaren zu bewegen, um Gruppen neu aufzubauen oder zu restrukturieren. Alles klandestin, veborgen und des öfteren gedeckt durch den Verfassungsschutz in einer Atmosphäre gesellschaftlicher Gleichgültigkeit.

Ein Mittel, rechtsextreme Organisierungen und Akteur*innen zu konfrontieren, ist, sie ins Licht gesellschaftlicher Öffentlichkeit zur stellen – also dorthin, wo sie (zumindest vorerst) nicht sein wollen. Unseren politischen Aktionsraum als Netzwerk sehen wir denn vor allem darin gegeben, Legitimationsräume neonazistischer Gruppen offen zu legen und rechtsextremen Seilschaften durch Aufklärung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Unser Beitrag dazu sind Perspektiven, Analysen sowie Aufklärung und – im Sinne von Simon Wiesenthals Motto „Aufklärung ist Abwehr“ – beim Aufbau einer Bewegung zu helfen, die sich gegen den Faschismus stark macht.